Österreichs Turner auf Platz 6 im EM-Teamfinale

Österreichs Turner erreichten im Finale der sechs besten Teams der Europameisterschaft in Mersin den sechsten Platz: Im Gegensatz zur fehlerfreien Qualifikation, die man auf Rang 4 beendet hatte, misslang diesmal der Auftakt am Pauschenpferd.

Danach fanden Vinzenz Höck, Severin Kranzlmüller, Alexander Benda, Ricardo Rudy und Manuel Arnold an den weiteren fünf Geräten sofort wieder zur Topform zurück. Am Ende fehlten jedoch die zu Beginn vergebenen Punkte für erneut Platz 4. Bronze wäre knapp außer Reichweite gelegen.

Es gewann die Ukraine (248.963) deutlich vor dem nach der Qualifikation noch in Front gelegenem Gastgeber Türkei (244.793), der mit einem Verletzungsproblem* und mehreren Nervositätsfehlern zu kämpfen hatte. Ungarn sicherte sich Bronze (240.393) vor Israel (239.028), Bulgarien (236.429) und Österreich (235.325).

Während die Qualifikation im 5-4-3-Modus geturnt wurde (5 Turner im Team, 4 pro Gerät am Start, 3 pro Gerät in der Wertung), wurde das Finale im 5-3-3-Modus ohne Streichnoten ausgetragen: jede Wertung zählte voll.

ÖFT-Kunstturner-Sportdirektor Fabian Leimlehner:

„Ein Sturz von Alexander und ein schlechter Abgang von Manuel am Pferd, bei Manuel auch eine Unsicherheit am Barren. Sonst lief alles nach Plan. Doch Platz 3 wäre sowieso extrem schwierig geworden. Ich bin mehr als happy, dass wir erstmals das EM-Teamfinale erreicht haben – ein Meilenstein.“

„Eie Supertruppe mit enormem Potenzial“

Sportdirektor Leimlehner weiter:

„Wir haben eine Supertruppe mit enormem Potenzial und sind auf dem besten Weg. Der nächste Olympiazyklus wird für uns richtig interessant.“

Auf ein paar Zehntelpunkte verzichtete Österreich im EM-Teamfinale 2020 noch bewusst: Vinzenz Höck turnte an den Ringen nicht seine schwierigste Kür. Sondern er zeigte statt 6.1 „nur“ eine Schwierigkeit von 5.7, um für das Gerätefinale am Sonntag nichts zu riskieren.

Besonders hervorzuheben ist Severin Kranzlmüllers erneut fehlerfreier Gesamtauftritt: er machte sich an seinem 26. Geburtstag damit selbst das schönste Geschenk.

© oeft.at

Vinzenz Höck gewinnt Turn-EM-Silber an den Ringen

Der größte Erfolg bisher für das österreichische Kunstturnen: Vinzenz Höck gewann am 13. Dezember 2020 im türkischen Mersin die Silbermedaille an den Ringen.

Mit einer perfekt gelungenen Kür (14.800 Punkten) musste sich der 24-jährige Grazer im Finale nur dem amtierenden türkischen Weltmeister Ibrahim Colak (15.000) geschlagen geben. Bronze ging an den ukrainischen Olympiadritten (2012) bzw. -fünften (2016) Igor Radivilov (14.766).

Vinzenz Höck zu seiner Turn-EM-Silbermedaille:

„Mir fehlen die Worte. Neben Colak und Radivilov auf dem Podest zu stehen, ist der Wahnsinn. Ein Traum ist wahr geworden. Nach der Quali am Donnerstag wusste ich um meine Chancen und wollte unbedingt eine Medaille. Ich müsste lügen, wenn ich sage, dass ich nicht nervös war. Aber ich habe meine Nerven im Griff behalten und meine beste Übung der Saison geturnt.“

ÖFT-Kunstturner-Sportdirektor Fabian Leimlehner:

„Unfassbar. Das war eine Herkulesaufgabe. Vinzi hat Nerven aus Stahl.“

Erst die zweite österreichische Turn-EM-Medaille der Geschichte

Diese Medaille Höcks ist erst die zweite für Österreich in der Turn-EM-Geschichte. Die einzige davor gewann Hans Sauter bei der ersten Europameisterschaft 1955 in Frankfurt mit Bronze am Pauschenpferd (damals noch ohne eigens geturnte Finalentscheidung). Vor der heurigen EM gab es erst eine einzige österreichische Gerätefinal-Teilnahme durch Marco Baldauf, 2012 am Reck (Platz 6). Dieser Wert wurde nun um drei Teilnahmen erhöht. Neben Höcks Silbermedaille überzeugten Severin Kranzlmüller als Sechster am Barren und Alexander Benda als Siebenter am Boden.

Nochmals Sportdirektor Leimlehner:

„Eine für uns unglaublich erfolgreiche EM. Wir sind überglücklich und ich gratuliere jedem einzelnen im Team. Meine Trainer Petr Koudela und Kieran Behan haben ganze Arbeit geleistet. Unsere Planung ist voll aufgegangen. Wir sind auf dem richtigen Weg nach ganz oben und voll motiviert, basierend auf diesen Leistungen hart und eifrig weiter zu arbeiten.“

Alexander Benda Siebenter im Bodenfinale

Alexander Benda, Neunter der Qualifikation am Boden und damit der erste Ersatzmann für das EM-Finale, erhielt seine Teilnahmebestätigung wegen der Verletzung eines anderen erst kurz vor dem Start. Der 23-jährige in Innsbruck lebende Grazer brachte sein Programm mit mehreren Doppelsalti, Dreifachschraube usw. gut durch. Allerdings gerieten drei Landungen tiefer als gewollt. Das bedeutete eine gegenüber der Qualifikation schwächere Wertung (13.166 im Finale zu 13.933 im Vorkampf). Da der Ukrainer Petro Pakhniuk gestürzt war, kletterte Benda dennoch eine weitere Position nach oben und beendete sein erstes EM-Finale auf Platz 7. Es gewann der israelische Vizeweltmeister Artem Dolgopyat mit 15.000 Punkten und sicherem Vorsprung.

Alexander Benda zu seinem Finalauftritt:

„Erst beim Einturnen als Reservemann war klar, dass ich ins Feld nachrutsche. Nach der super Qualifikation am Donnerstag und dem soliden Teamfinale gestern war das jetzt das Sahnehäubchen. Ich wusste, dass ich nichts zu verlieren hatte. Daher wollte ich jede Landung perfekt attackieren, was natürlich das Risiko bei jeder Länge erhöhte. Leider ist mir nicht jede angestrebte Punktlandung gelungen. Aber es war auch am dritten Wettkampftag wieder der Großteil der Übung gut und stabil. Ich nehme jeden Eindruck als wichtige Erfahrung mit nach Hause.“

Severin Kranzlmüller steigert sich im Barrenfinale auf Platz 6

Severin Kranzlmüller hatte sich auf Vorkampf-Position 7 für das EM-Achterfinale am Barren qualifiziert. Einen Tag nach seinem 26. Geburtstag legte der Linzer eine weitere optimal gelungene Kür nach und steigerte sich mit 13.600 Punkten auf den sechsten Platz:

„Ein Wochenende wie aus dem Märchenbuch. Ich hätte mir nicht gedacht, dass ich meine Platzierung bei diesem starken Feld sogar noch verbessern kann. Es ist einfach alles aufgegangen und ich bin überglücklich mit dem Ergebnis. Ich danke allen Trainern und meinen Teamkollegen, ohne die dieser Erfolg nicht möglich gewesen wäre. Dieser sechste Platz fühlt sich an wie eine Medaille.“ Der Sieg ging auch hier an einen Türken, den Barren-WM-Fünften Ferhat Arican.

Auch Askhab Matiev Siebenter am Boden – allerdings bei den Junioren

Schon am frühen Sonntag-Vormittag (8 Uhr früh MEZ) starteten die EM-Gerätefinali der Junioren mit der gut gelungenen Bodenkür des als ersten Turner ausgelosten Askhab Matiev. Der 18-jährige Innsbrucker konnte allerdings sein Vorhaben, alle Landungen noch sauberer zu stehen, als in der Qualifikation, nicht umsetzen. Wie im Vorkampf erreichte er den siebenten Rang, jedoch mit etwas weniger Punkten (12.800 Finale, 13.166 Qualifikation). Askhab Matiev war

„mit der Performance hier bei der EM super zufrieden. Meine Zeit als Junior ist jetzt erfolgreich beendet und es wartet auf mich die Herausforderung, den Sprung in die Eliteklasse zu schaffen.“

© oeft.at Foto:  ÖFT/Robert Labner

 

Die Nr. 1 der Kunstturn-Staatsmeisterschaft: 5x Gold, 1x Silber für Alexander Benda!

Die Kunstturn-Staatsmeisterschaften am 7./8. November 2020 waren die 74. und organisatorisch die bislang ungewöhnlichsten: Corona-Tests für alle, Abstand halten, Schutzmasken sogar bei den Siegerehrungen, kein Publikum vor Ort, keine physisch geteilten Emotionen usw. Normalerweise sind die Staatsmeisterschaften der österreichweite Höhepunkt der Saison. Heuer waren sie für den Gutteil der Turner/innen der einzige Wettkampf überhaupt. Dennoch gab es einige Gründe zur Freude!
Alexander Benda krönte sich bei der Staatsmeisterschaft im Kunstturnen in Egg/Bregenzerwald zum insgesamt erfolgreichsten Teilnehmer: Der 23-jährige Grazer sicherte sich nach zwei Siegen am Samstag (Mehrkampf und Mannschaft) am Sonntag außerdem die Hälfte der Gerätefinaltitel – Boden, Barren und Reck. Mit viermal Gold – ebenfalls Mehrkampf, Mannschaft und die Hälfte der vier Frauen-, bei sechs Männer-Finali – folgte ihm Vorarlbergs Lokalmatadorin Marlies Männersdorfer in der Erfolgsbilanz auf Position zwei.
Alexander Benda über seine bemerkenswerte Medaillensammlung:

„Nach dem anstrengenden Mehrkampf noch drei weitere Finaltitel, das freut mich sehr. Besonders meine super gelungene Reckkür ganz zum Schluss beweist mir, dass sich meine Formkurve genau richtig entwickelt. Ich bedanke mich bei allen, die es möglich gemacht haben, dass diese Meisterschaft trotz Corona und Lockdown stattfinden konnte.“

Weiter in der Erfolgsbilanz: Die Nummer 3 war Ricardo Rudy (OÖ) mit 2x Gold, 2x Silber und 2x Bronze – vor Elisa Hämmerle (V, 2x Gold, 2x Silber) und Vinzenz Höck (2x Gold, 1x Silber). Manuel Arndold sicherte sich Silber im Einzel Mehrkampf der Männer und Bronze in der Mannschaftswertun für Tirol. Bianca Frysak konnte sich Bronze am Stufenbarren erturnen!

Aus dem außergewöhnlichen Corona-Jahr 2020 resultierten für Österreichs Kunstturn-Szene zwei positive Entwicklungen: Die heimische Spitze konnte – wo zuvor vorhanden, was bekanntlich im Spitzensport nirgends selten ist  – Verletzungen und Überlastungsprobleme in Ruhe ausheilen, präsentierte sich fit und gesund. Darüber hinaus hatten quer durch die Trainingszentren fast alle das monatelange Nur-Training zum deutlichen Aufstocken der Schwierigkeitswerte ihrer Kürübungen und zum Feilen an turntechnischen Feinheiten genützt.

Allerdings: damit alles im Ernstfall wirklich „sitzt“, braucht es normalerweise einige Vorbereitungs-Wettkämpfe als Test- und Nachjustier-Gelegenheit. Das Ergebnis: es wurde so schwierig geturnt, wie noch nie in Österreich – ein immenser Fortschritt. Es gab allerdings auch überdurchschnittlich viele Unsicherheiten und Fehler bei den Allerbesten, die die Medaillenvergaben beeinflussten und entschieden. So mussten beispielsweise ALLE Turnerinnen des Schwebebalken-Finales zumindest einmal vom Gerät. Insgesamt überwog die positive Entwicklung jedoch eindeutig.

© oeft.at  Bild: GEPA Pictures – Hans Oberlaender

Höck holt historischen Weltcup-Sieg

Vinzenz Höck feierte als erster österreichischer Turner einen Weltcup-Sieg! Der Grazer gewann beim ungarischen Traditionsmeeting in Szombathely die Konkurrenz an den Ringen.

„Ich wusste, dass ich es schaffen kann – und ich wollte diesen Sieg unbedingt“,

erklärte der 24-Jährige nach seinem siegreichen Duell gegen den Ukrainer Igor Radiwilow im Finale.

Im Vorjahr hatte Radivilov in Szombathely noch gewonnen und Höck hatte mit Bronze Vorlieb nehmen müssen. Diesmal lachte Höck von der Spitze des Podiums:

„Dass es echt geklappt hat, ist für mich kaum zu fassen. Das letzte halbe Jahr war alles andere als einfach, ich musste ohne konkretes Ziel trainieren. Jetzt bin ich umso erleichterter, dass ich es geschafft habe, durchzubeißen. Es geht weiter aufwärts.“

ÖFT-Kunstturner-Sportdirektor Fabian Leimlehner (der Olympiateilnehmer 2012 hatte es selbst bis zu Weltcup-Silber am Reck gebracht):

„Das war eine sehr starke Leistung von Vinzi. Ich gratuliere ihm von ganzem Herzen. Wir sind unglaublich stolz auf ihn. Ich freue mich, dass die hervorragende Zusammenarbeit des ganzen Teams und unsere strategischen Maßnahmen so gut Früchte getragen haben. Wir haben hier ein super Statement in diesen schwierigen Zeiten abgegeben. Meine Gratulation gilt insbesondere auch Nationaltrainer Petr Koudela und seinem Co Kieran Behan.“

Das Weltcup-Jahr der Kunstturner ist wegen der Corona-Pandemie extrem ausgedünnt. Noch vor den Lockdown-Maßnahmen in fast allen Ländern waren drei Bewerbe abgesagt worden, die nachher angesetzten Meetings im Frühjahr folgten später. Insgesamt fielen 10 Weltcups auf 4 Kontinenten aus. Der Event in Ungarn findet unter massiven Sicherheitsauflagen statt.

 

© olympia.at  Foto: oeft.at

Hämmerle und Höck ÖFT-Sportler des Jahres

Elisa Hämmerle und Vinzenz Höck sind zu den ÖFT-Sportlern des Jahres gewählt worden. Ermittelt wurden die Ausgezeichneten bei einer Wahl des Österreichischen Fachverbandes für Turnen (ÖFT), der Ergebnisse aus einer Experten-, VIP- und Medienjury sowie einem Fan-Onlinevoting einfließen lässt. Für die 24-jährige Hämmerle ist es die erste Ehrung, der 23-jährige Höck setzte sich zum dritten Mal nach 2014 und 2017 durch.

© sport.orf.at Foto: oeft.at

Kunstturn-Staatsmeisterschaft in Graz

Die Mehrkämpfe der Kunstturn-Staatsmeisterschaft in Graz verliefen an der Spitze ungemein spannend. Vinzenz Höck gewann beim Heimtitelkampf mit 25 Hundertstelpunkten Vorsprung vor seinem Trainingskollegen Alexander Benda (79.150 zu 78.900), wobei erst die allerletzte Kür – Höck an den Ringen – den Ausschlag gab. Beide, Höck und Benda, turnten dabei an allen sechs Geräten fehlerfrei durch. Bronze sicherte sich der Linzer Severin Kranzlmüller (76.700).

Bei den Frauen gewann die Innsbruckerin Jasmin Mader bei ihrer bereits elften Elite-Staatsmeisterschaft in Serie mit einem makellosen Auftritt zum zweiten Mal nach 2016 den Titel (50.750 Punkte). Die Wahl-Lustenauerin Marlies Männersdorfer, in den letzten beiden Jahren voran, vergab durch einen Patzer am Stufenbarren den Sieg und wurde Zweite (50.100). Es folgte Bianca Frysak (Wien, 47.550) auf der Bronze-Position.

Fulminante Entscheidungen gab es ebenfalls an den einzelnen Geräten. Mit dreimal Gold gelang Alexander Benda (St) der Erfolg in der Hälfte der Männerfinali. Den Mehrkampf-Siegern Jasmin Mader (T) und Vinzenz Höck (St), gelangen noch jeweils zwei weitere Titelgewinne. Ebenfalls zweimal Gold in den Finali sicherte sich Bianca Frysak (W) aufgrund sehr guter Leistungen auf dem Schwebebalken und am Boden. Zusätzlich turnte Bianca Frysak beim Stufenbarren hinter Jasmin Mader auf Platz 2.

Die beiden Grazer Lokalmatadore Vinzenz Höck und Alexander Benda krönten sich insgesamt mit jeweils 4x Gold – sie hatten gemeinsam mit ihren steirischen Kollegen zusätzlich den Teambewerb für sich entschieden – sowie 1x Silber und 1x Bronze zu den erfolgreichsten Teilnehmern der Staatsmeisterschaften. Jasmin Mader führt mit 3x Gold, 1x Silber und 1x Bronze die Frauen-Medaillenbilanz an.

Von den insgesamt 14 Elite-Staatsmeistertiteln aus dem Vorjahr wurden nur drei erfolgreich verteidigt: Vorarlberg siegte erneut im Frauen-Teambewerb, Alexander Benda wieder am Boden und Daniel Kopeinik am Pauschenpferd. Alle Podeste aller ausgetragenen Klassen zusammengerechnet, gingen die Medaillen in alle neun Bundesländer und an 16 verschiedene Trainingsstandorte.

© oeft  

 

Elisa Hämmerle löst bei WM Ticket für Tokio

Elisa Hämmerle hat bei der Kunstturn-WM in Stuttgart die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio geschafft.

Die Vorarlbergerin landete mit 50,532 Punkten auf Rang 55 und holte sich als 14. der bereinigten Wertung (nach Vergabe der Team-Quotenplätze) einen der 20 Einzel-Mehrkampf-Startplätze letztlich sicher.

Die 23-Jährige, die Olympia 2012 und 2016 (wegen eines Achillessehnenrisses in der Vorbereitung) verpasst hatte, freute sich über diesen Erfolg umso mehr:

„Ich bin riesig erleichtert, es fühlt sich fast unwirklich an, dass endlich einmal ein sportlicher Plan von mir voll aufgegangen ist!“.

Die 26-jährige Tirolerin Jasmin Mader hätte mit 49,732 Punkten (Platz 64) ebenfalls die Olympiaqualifikation geschafft, allerdings ist nur eine Österreicherin startberechtigt.

© sport.orf.at

Weltcup-Bronze für Vinzenz Höck in Szombathely

Kunstturner Vinzenz Höck gewann am 7. September 2019 in Szombathely seine zweite Weltcup-Medaille nach Varna 2017. Der 23-jährige Grazer überzeugte mit 14.566 Punkten, musste sich in der Entscheidung nur dem ukrainischen Olympiadritten Igor Radivilov (14.733) und dem Ägypter Ali Zahran (14.700) geschlagen geben.
Vinzenz Höck:

„Mein Trainer Petr Koudela und ich hatten uns entschieden, auf die Ausführung zu setzen und nicht das schwierigste Programm zu zeigen. Ich bin total erleichtert, dass diese Taktik aufgegangen ist.“

In der Vorbereitung auf die WM Anfang Oktober in Stuttgart hatte Vinzenz Höck, heuer bereits Zweiter der Universiade, diesmal auf seine Topkür verzichtet. Statt 6.2 Ausganswert zeigte er – ohne die „Balandin“-Kombination – „nur“ 5.9 Schwierigkeitszähler. Andererseits erhielt er mit 8.666 Punkten seine bislang höchste Ausführungsnote.

Das genügte, um wie schon in der Qualifikation den Japaner Keitaru Okubo (14.266) und Ukraines Mehrkampf-Olympiazweiten Oleg Verniaiev (14.200) auf den Rängen 4 und 5 deutlich auf Distanz zu halten.

© ÖFT, Foto: ÖFT

Großer Schritt für das große Ziel

Für ihren großen Traum von den Olympischen Spiele 2020 setzt Kunstturnerin Elisa Hämmerle einen mutigen Karriere-Schritt: Die 23-jährige Vorarlbergerin hat sich entschlossen, in die Niederlande zu ziehen.

Im späten Frühjahr übersiedelte sie von Innsbruck nach Hoofddorp, einem Vorort von Amsterdam. Dort trainiert Hämmerle jetzt unter der Leitung von Patrick Kiens u.a. gemeinsam mit Topstar Eythora Thorsdottir.

Zur Erinnerung: Hämmerle galt als aussichtsreichste österreichische Kunstturn-Olympiakandidatin für Rio 2016, ehe sie sich beim Training zur entscheidenden Qualifikation beim „Olympic Test Event“ vor Ort in Brasilien die Achillessehne riss. Die 19-fache Staatsmeisterin, die schon 2013 im EM-Mehrkampffinale gestanden hatte, gab aber nicht auf. Die heute 23-jährige Vorarlbergerin kämpfte sich in einem mühsamen Rehaprozess im Olympiazentrum Tirol zurück – die körperliche Regeneration verlief nicht immer optimal – und gelangte Mitte 2018 mit zweimal Einzelgeräte-Gold bei der Staatsmeisterschaft (Stufenbarren, Schwebebalken) wieder an die heimische Spitze. Im Herbst 2018 folgte dann sogar Hämmerles vierte Weltcup-Medaille. Jetzt geht es darum, bei der WM im Herbst in Stuttgart – der Tag X ist der Freitag, 4. Oktober 2019 ab 15:30 Uhr – eine entsprechend starke Mehrkampf-Leistung zu zeigen und (den) einen (für Österreich) möglichen Olympia-Quotenplatz zu holen. Wer die drei Österreicherinnen bei der Stuttgart-WM sein werden, steht noch nicht fest: Neben Hämmerle arbeiten auch Marlies Männersdorfer, Jasmin Mader und Bianca Frysak darauf hin.

In den Niederlanden gehört Elisa Hämmerle einer internationalen Trainingsgruppe an – mit Mandy Maghoub ist neben Topstar Thorsdottir auch eine ägyptische Olympiahoffnung ihre neue Trainingspartnerin – in der sie sich „großartig aufgehoben und willkommen fühlt.

Es war die beste Entscheidung, die ich für meine Sportkarriere treffen konnte, hierher zu übersiedeln. Ich habe ein für mich optimales Umfeld und alles, was ich benötige, um mich weiter zu entwickeln. Das könnte nicht motivierender sein.“

Auf ihre Olympiachancen angesprochen meint Hämmerle: „Meine Trainer (neben Patrick Kiens auch Daymon Montaigne-Jones, Anm.) gehen davon aus, dass man mit 51 WM-Mehrkampfpunkten sicher die Qualifikation schaffen wird, vielleicht auch knapp darunter. Mein Ziel für Stuttgart sind 52 Punkte, die dementsprechenden Küren bereite ich vor.“ Und soll Tokio 2020 der abschließende Karriere-Höhepunkt der Sportsoldatin sein? „Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Ich turne einfach für mein Leben gerne. Doch vor allem geht es mir nun natürlich darum, dass ich beim dritten Anlauf mein großes Ziel Olympia endlich erreiche!“

© www.olympia.at

Universiade-Silbermedaille für Höck an den Ringen

Vinzenz Höck gelang im Finale der Universiade in Neapel seine bislang deutlich beste Kür an den Ringen: Mit 14.800 Punkten gewann der 23-jährige Grazer ex aequo mit dem Türken Ibrahim Colak die Silbermedaille: „Ich habe alles riskiert und es ist voll aufgegangen. Das hätte ich selbst so kaum für möglich gehalten.“ Es gewann Armeniens Artur Avetisyan mit einem Zehntelpunkt Vorsprung.

Diese Silbermedaille ist überhaupt die erste österreichische bei einem internationalen Elite-Titelkampf an den Ringen. Wäre nicht der kleine Nachhüpfer beim Abgang gewesen, wäre sogar der Sieg für Höck möglich gewesen. Doch mit seiner sehr hohen Wertung ist Österreichs Ausnahmekönner nun in die allerhöchste Kategorie der Weltklasse dieses Sport vorgestoßen. Höcks Trainingskollege Alexander Benda hat mitgefiebert: „Das war eine sensationelle Übung von Vinzi.“

Vinzenz Höck hat aktuell zwei Ringe-Wettkampfübungen im Repertoire. Eine mit 5.9 Punkten Schwierigkeits-Ausgangswert, die er in Neapel in der Qualifikation gezeigt, damit sicher auf Rang 3 das Finale erreicht hatte. In der Entscheidung stockte Höck als einziger Finalist auf: um drei Zehntel auf 6.2. Er verbesserte allerdings auch seine Ausführungsnote, was schließlich die Anhebung seiner persönlichen Bestmarke um – auf diesem Topniveau – beachtliche dreieinhalb Zehntel ergab.

 

© oeft.at / Bild: ÖFT