Patrick Gamper in der World-Tour

Patrick Gamper, langjährig akkreditierter Athlet im Olympiazentrum Tirol, wechselte zu BORA – hansgrohe

Im Herbst 2012 wurde der 23-Jährige Tiroler Radrennfahrer Patrick Gamper am Olympiazentrum Tirol akkreditiert. In den letzten Jahren wechselte er ein paar Mal sein Radteam: seit 2016 fuhr im Tirol KTM Cycling Team, 2018 stand er beim spanischen Team Polartec-Kometa unter Vertrag, Anfang 2020 dann der Wechsel zum deutschen professionellen Radsportteam BORA – hansgrohe. Die trainingswissenschaftliche Betreuung am Olympiazentrum blieb dabei über die Jahre hinweg eine beständige und hilfreiche Unterstützung. Sein neuester Wechsel ins Team der BORA – hansgrohe bedeutet für Patrick Gamper erstmalig den Wechsel in die WorldTour!

Die Verpflichtung bei BORA– hansgrohe war für Patrick eine wunderschöne Überraschung, wenngleich der Karrieresprung zu den Profis mit Blick auf Patrick Gampers Erfolge 2019 (Sieger beim Grand Prix del Marmo in Italien, Sieger bei einer Etappe des Giro del Friuli, Staatsmeister im Zeitfahren der U23…) nicht gänzlich unerwartet kam. Dass er allerdings gleich seinen ersten Profi-Vertrag direkt bei seinem absoluten Wunschteam unterzeichnen können würde, hat er nicht zu träumen gewagt. Mit dem Wechsel zu einem der besten Teams der Welt hat Patrick einen Meilenstein in seiner noch jungen Karriere gelegt und eines seiner größten Ziele erreicht.

Patrick Gamper ist der vierte tiroler und fünfte österreichische Fahrer der im Team BORA – hansgrohe unter Vertrag steht. Insbesondere seine guten Qualitäten als Roller im flachen Gelände zeichnen Patrick aus. Diese Stärke kann er durch die Erfahrungen in der WorldTour künftig weiter ausbauen und nutzen um den BORA – hansgrohe Sprintzug zu verstärken.

Trotz der schwierigen Umstände durch die Covid-19 Pandemie konnte Patrick heuer schon an einigen Rennen in der WorldTour teilnehmen, wichtige Erfahrungen sammeln und bereits erste Erfolge mit und für das Team der BORA – hansgrohe feiern. Nachdem im Frühjahr lediglich online Rennen stattfinden konnten, wurde im Laufe der Saison unter anderem die Austrian Time Trial Series ausgetragen, bei welcher Patrick Gamper das zweite Rennen für sich entscheiden konnte. Am Salzburgring setzte er sich gegen knapp 90 Teilnehmer durch und sorgte in weniger als 15 Minuten für einen weiteren Erfolg des deutschen WorldTeams. Außerdem wurde er österreichischer Vizestaatsmeister im Zeitfahren, nachdem er sich mit dem Topzeitfahrer Matthias Brändle (Israel Start-Up Nation) einen wahren Krimi geliefert hatte. Die Giro d’Italia musste er leider wegen eines Sturzes frühzeitig beenden.

WORDRAP „DA SCHAU HER“

Patrick, wie hast du den Wechsel zu BORA- hansgrohe und in die WorldTour erlebt?

Ein bisschen wie eine Erlösung – ich habe sehr lange auf den Bescheid warten müssen, da war es am Ende sehr erleichternd zu wissen, wie es sportlich weiter geht. Nach dem Bescheid ging dann alles sehr schnell, das erste Teammeeting war sogar bereits gewesen, bevor ich überhaupt meinen Vertrag in der Hand hatte. Durch die familiäre Stimmung im Team und dem geringen Kulturunterschied zwischen Deutschland und Österreich ist der rasche Wechsel aber zumindest auf der persönlichen Ebene echt super gut gegangen.

Wie gut ist dir bislang die Anpassung an das neue Niveau in der WorldTour geglückt?

Das erste Jahr in der WorldTour ist sportlich meist recht schwierig und die Corona-Pandemie und die damit einhergehende lange Rennpause haben mir den Einstieg definitiv nicht einfacher gemacht. Insgesamt waren es 6 Wochen Rennpause für mich, da fällt es schwer sich zu orientieren und das Niveau richtig einzuschätzen. Am Ende hat es dann aber doch ganz gut gepasst und ich habe viele Erfahrungen sammeln und dazu lernen können.

Wenn du dein erstes Jahr bei BORA – hansgrohe Review passieren lässt, wofür bist du besonders dankbar?

Definitiv für die ganze Unterstützung, das Vertrauen, welches mir entgegengebracht wurde, und dafür, dass ich direkt so gut aufgenommen wurde. Ich habe gedacht, dass ich deutlich länger brauchen würde, um meinen Platz im Team zu finden, das ist aber erfreulicherweise tatsächlich recht schnell gegangen. Dass ich im ersten Jahr direkt so viel Vertrauen vom Team genießen durfte und mit der Giro d’Italia sogar schon mein erstes großes Highlight bekommen habe, hat meine Erwartungen weit übertroffen.

Außerdem weiß ich die positive Grundstimmung und den Zusammenhalt im Team sehr zu schätzen. Besonders zu so schwierigen Zeiten wie heuer ist es cool, Teil so eines familiären Teams zu sein!

Gibt es ein Ziel, was du fest vor Augen hast und mit der Unterstützung von BORA-Hansgrohe und dem Olympiazentrum Tirol erreichen möchtest?

Primäres Ziel wird eine Vertragsverlängerung sein, da ich mich eben sowohl auf der persönlichen Ebene sehr wohl als auch auf der sportlichen Ebene bei BORA – hansgrohe sehr gut betreut fühle.

Langfristig wäre es mein Traum, mich als Profi zu etablieren, meinen Platz finden und mich sportlich weiter zu entwickeln. Die Giro d’Italia Nominierung war eine große Motivation für mich, das hat einfach brutal viel Spaß im Team gemacht und mir gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Schade nur, dass ich die Tour unfallbedingt abbrechen musste.

Blog by Adele Tietgen // Fotos: GEPA pictures

Plötzliche Stille im Sport

Wie wirkte sich die corona-bedingte Zwangspause auf Profisportler aus? Wie motivierten sie sich während des Lockdowns? Und hatte das Ganze auch Positives? Unser Trainer Lukas Höllrigl und unser Athlet Markus Wildauer berichteten bei sport.tirol gemeinsam mit Sportpsychologe Christopher Willis über ihre Erfahrungen.

 

Lukas Höllrigl über die Erfahrungen aus Sicht der TrainerInnen

Durch den Ausbruch von Covid-19 wurde dem heimischen Radsport eine längere Zwangspause verordnet. Lukas, wie hast du die vergangenen Monate als Trainer erlebt?

Es war so, dass die Rennen im Profiradsport ebenso wie im U23-Bereich schon gestartet haben und man sich gewissermaßen schon in der heißen Phase befand, als man durch die Coronakrise abrupt zum Stillstand gezwungen wurde. Die Sportler kamen quasi gerade aus dem Winterschlaf, waren wirklich heiß auf die Wettkämpfe – und dann war alles nach wenigen Rennen schon wieder vorbei. Da war die Enttäuschung bei dem einen oder anderen natürlich ziemlich groß.

Wie hat sich das auf den Alltag der Sportler ausgewirkt?
Man muss das Ganze in zwei Phasen unterteilen. In der strengeren Phase mit dem Lockdown war es für die Athleten schwierig, sich bei Laune zu halten. Wenn ein Radfahrer nicht auf sein Rad kann, leidet natürlich die Motivation. Als Trainer muss man versuchen, sich Dinge einfallen zu lassen, damit die Fahrer trotzdem was zu tun haben. Sie sagen: Okay, ich habe zwar im Moment nicht die Möglichkeit, aufs Rad zu steigen, dafür arbeite ich aber an Bereichen, die sonst vielleicht auf der Strecke bleiben, etwa ganz allgemein am Bewegungsapparat oder an der Mobilisation. Dann gab es die andere Phase, in der Wettkämpfe zwar nicht absehbar waren, man aber zumindest wieder Rad fahren konnte, wenn auch nur in Österreich und nicht über die Grenzen hinaus. Da war alles schon wieder um einiges einfacher.

Was waren für dich als Trainer die größten Herausforderungen während dieser Zeit?

Naja, natürlich fällt man auch als Trainer erst mal in ein Loch. Man hat sich den ganzen Winter über Gedanken über Trainingsinhalte gemacht, damit man die Athleten weiterbringt und sie eine erfolgreiche Saison haben, und dann schmeißt Corona alles über den Haufen. Wir mussten viel mit Was-wäre-wenn-Szenarien arbeiten. Das war, glaube ich, die größte Challenge aus Trainersicht, mit dieser unklaren Situation umzugehen und dabei trotzdem analytisch und nüchtern zu bleiben.

Wie sieht es momentan aus? Herrscht mittlerweile wieder etwas mehr Klarheit?

Ja, die offenen Variablen werden immer weniger. Wir kommen langsam zu den Wettkämpfen hin, haben auch schon Termine, und es gibt keine großen Fragezeichen mehr. Im Grunde bereiten wir nun einen standardmäßigen Trainingsaufbau vor, wie man das sonst im Frühjahr macht. Insofern hat sich die Saison für uns durch den Lockdown und die Folgen eigentlich nur um ein paar Monate nach hinten verschoben.

Siehst du diese erzwungene Pause eher als Vor- oder als Nachteil?
In Bezug auf das Training hatte das Ganze sicher auch positive Effekte. Ich habe bei vielen unserer Radsportler gemerkt, dass sie die Zeit wirklich effektiv genutzt und in gewisser Weise auch genossen haben. Sie konnten etwa lange Grundlagentrainings, die man normalerweise im Winter, in einem Trainingslager im Ausland macht, zu Hause absolvieren. Das hat den Athleten die Möglichkeit eröffnet, klassische längere Routen oder große Genussrunden in Tirol zu fahren, wofür es im Sommer im Normalfall kaum Gelegenheit gibt. Das hat vielen gut getan. Zudem konnte man auch mal neue Dinge ausprobieren. Was die Wettkämpfe selbst betrifft, kann ich mir aber vorstellen, dass es für den einen oder anderen nun schwer werden dürfte, nicht zuletzt im Hinblick auf die nächste Saison.

Inwiefern?
Durch die Zwangspause finden viele Rennen ja später als sonst und folglich sehr komprimiert im August, September und Oktober statt. Die Saison ist insgesamt länger, und man muss sich die Frage stellen, wie man darauf reagiert – ob man also beispielsweise die Winterpause verlängert oder nicht. Gerade für arrivierte Fahrer mit alten, seit Jahren bewährten Mustern könnte das ein Problem darstellen, wenn sie jetzt einen solchen Bruch erleben. Auf der anderen Seite haben junge Fahrer dadurch aber vielleicht größere Chancen. Ich glaube jedenfalls, dass da einiges passieren kann.

Lukas Höllrigl ist als Trainer und Leistungsdiagnostiker bei uns am Olympiazentrum Tirol Innsbruck tätig. Unter anderem betreut er Fahrer des Tirol KTM Cycling Teams, des Innsbrucker Nachwuchs-Rennstalls für angehende Radprofis aus dem U23-Bereich.

 

Markus Wildauer über die Erfahrungen aus Sicht der AthletInnen

Wie hat sich die Corona-Pandemie auf die Ausübung deines Sports ausgewirkt?

Der Alltag im Lockdown war ziemlich monoton. Ich habe darauf geachtet, dass ich den Trainingsumfang reduziere, aber intensiver trainiere, um die Form zu halten. Auch Abwechslung versuchte ich reinzubringen, um nicht stundenlang nur indoor auf der Rolle zu sitzen.

Was war die größte Herausforderung während des Lockdowns?

Eine Herausforderung war, die Motivation nicht zu verlieren. Speziell am Anfang, als die Infektionszahlen immer weiter und weiter gestiegen sind, folgte eine Rennabsage der anderen. Plötzlich waren keine Rennen mehr in Aussicht. Ich motivierte mich mit langfristigen Zielen. Mein größtes Ziel ist, den Sprung in die Profiliga zu schaffen.

Inwiefern erschwert Corona die Verwirklichung dieses Traums?

Als Nachwuchssportler wäre es gut, sich bei internationalen Rennen präsentieren zu können und gute Ergebnisse einzufahren. Ohne Rennen ist das denkbar schwierig. Meine Hoffnung liegt in den internationalen Rennen, wie dem Baby-Giro, nachdem ja ganz kurzfristig auch die Tour de l’Avenir abgesagt worden ist. Bezüglich der Europameisterschaft im französischen Plouay, die für August geplant ist, hoffen wir noch. Dort würde ich mich gerne stark präsentieren. Voraussetzung ist, dass sie stattfindet. Eine gewisse Unsicherheit herrscht nach wie vor. Kommt eine zweite Welle? Wie schaut es mit den Auflagen aus?

Wie gelingt es dir, die Motivation nicht zu verlieren?

Derzeit finden ja einige der wichtigsten Radrennen statt. Das spornt mich an. Da will ich zeigen, dass ich gut bin und es wirklich will. Während des Lockdowns war auch der telefonische Kontakt zu Mannschaftskollegen wichtig. Wir tauschten uns aus und bauten uns gegenseitig auf.

Wirken sich die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Rennabsagen auf deine finanzielle Situation aus?

Ich habe das große Glück, als Heeressportler nicht von Prämien und Sponsorengeldern abhängig zu sein. Ich bin sehr dankbar, in dieser Zeit weiter Unterstützung zu bekommen.

Wie sieht die aktuelle Situation aus? Trainiert ihr wieder in der Mannschaft?

Seit es wieder erlaubt ist, trainieren wir wieder in der Gruppe. Das macht definitiv mehr Spaß als alleine. Die Zeit vergeht viel schneller. Gerade nach der langen Periode, in der man sich nicht sehen konnte, hat man viel zu besprechen.

Wie schaut es mit Sorgen um deine Gesundheit aus? Hast du Angst, dich mit dem Virus zu infizieren?

Angst würde ich es nicht nennen, aber klar macht man sich Gedanken. Eine Ansteckung würde bedeuten, Zeit zu verlieren, kein Training, kein Kontakt zu anderen, möglicherweise keine Rennen. Ich halte mich an die allgemeinen Empfehlungen und versuche, das Risiko einer Ansteckung zu minimieren. Ich vermeide beispielsweise Einkaufzentren oder Bars.

Hast du in den letzten Wochen jemals ans Aufgeben gedacht?

Nein, aufgeben war nie Thema für mich. Ich möchte noch viel erreichen.


Markus Wildauer (22) hat seine Rennradkarriere mit 14 Jahren beim RC Tirol aus Vomp begonnen. Seit 2017 fährt er für das Tirol KTM Cycling Team. Er gilt als Allrounder, sprich er kann bergauf schnell fahren und hält auch im Flachen beim Zeitfahren mit. Seine zwei größten Erfolge erzielte er 2018 mit dem Etappensieg beim Giro Ciclistico d’Italia (Baby-Giro) und dem dritten Platz bei der EM im Einzelzeitfahren. Wildauer lebt im Zillertal. Sein großes Ziel ist, den Sprung in eine Profimannschaft zu schaffen.

 

© Sport.Tirol Text: Simon Leitner, Eva Schwienbacher, Headerbild: Elisa Haumesser  Bild: GEPA – Jasmin Walter

Super Platzierung bei Online-EM

Auch im Leistungssport blieben einige Umstrukturierungen in Folge des Coronavirus nicht aus. Der europäische Taekwondo Verband reagierte gekonnt auf die neuartige Situation und ermöglichte die Austragung einer offenen Europameisterschaft im Poomsae (Formenlauf) mit über 1200 TeilnehmerInnen aus 75 verschiedenen Ländern. Dabei wurden die Technikdisziplinen gefilmt und anschließend von den Kampfrichtern bewertet. Anna Schneeberger konnte sich dabei den 20. Platz in der allgemeinen Klasse sichern – eine großartige Leistung bei einem Teilnehmerfeld von über 110 Sportlerinnen aus 42 Nationen.

 

Anna, du hast erfolgreich an dieser neuen Form der Europameisterschaft teilgenommen. Wie hast du die Teilnahme selbst erlebt?

Es war eine sehr interessante Erfahrung, etwas komplett Neues. Man konnte sich seine eigene Location basteln und war nicht an den üblichen Turniermodus gebunden. Das bekannte Turniergefühl war schon nicht ganz so ausgeprägt, aber gerade dadurch war es auch echt spaßig – wir haben zumindest voll die Gaudi gehabt, auch wenn es ein sehr anstrengender Tag war.

Wie genau lief diese Online-Europameisterschaft ab?

Wir haben eine Deadline bekommen, zu der wir Videos auf YouTube hochladen mussten. Insgesamt hatten wir 24 Stunden Zeit sechs Formen am Stück vor laufender Kamera durchzuführen. Auch während der Pausen mussten wir im Bild bleiben. Dann wurden die Videos von Kampfrichtern angeschaut und bewertet. Dies wurde live übertragen, so dass wir die Bewertung entspannt vor dem Fernseher anschauen konnten. Wobei so entspannt war es dann doch nicht, ich war schon sehr angespannt, als es dann zu meiner Bewertung kam und meine ganze Familie hat mitgefiebert.

An dieser Stelle auch von uns noch einmal herzlichen Glückwunsch zu deiner großartigen Platzierung. Waren die Emotionen insbesondere nach deinem Erfolg dieselben?

Es war schon anders, als wenn man direkt auf der Matte steht. Vor allem war diesmal ein größerer zeitlicher Abstand zwischen der erbrachten Leistung und der Bewertung. Dadurch war alles schon so fix, man hatte es nicht mehr in der Hand und konnte keinen Einfluss mehr nehmen. Die Freude über den Erfolg war aber auf jeden Fall riesig!

In deinem Video sieht man zwischendurch Jemanden den Rasen mähen. Was hat es damit auf sich?

Mein Trainer hatte die Idee mit den Videos einen Wiedererkennungswert für die nächsten Turniere zu schaffen. Unser Ziel war es, dass die Videos im Kopf bleiben und ich auf den nächsten Turnieren mit ihnen assoziiert werden. Wir haben also gewissermaßen versucht die Videos zur Vermarktung zu nutzen und haben uns deshalb Gedanken über die Location gemacht und Flaggen aufgehängt. Mein Trainer hatte dann noch die witzige Idee mit der lustige Pausengestaltung zwischen den Formläufen. Das hat sehr gut funktioniert, auch wenn die Pausen zum Teil zu witzig waren, weil ich mich ja noch auf meine nächste Runde konzentrieren musste.

Was sind aus deiner Sicht die Vor- und Nachteile einer solchen online Veranstaltung?

Ein Vorteil ist auf jeden Fall, dass man sich selbst und auch allen anderen zuschauen kann. Bei den Turnieren ist man oftmals so auf sich konzentriert und fokussiert, dass man nur wenig von den anderen mitbekommt. Diesmal konnte man echt alle Leistungen in Ruhe anschauen und auch würdigen.

Siehst du Potential in dieser Wettkampfsform?

Ja, diese online Veranstaltung wurde ja zumindest sehr gut angenommen. Zuerst hatten die Veranstalter Sorge, es würden auf Grund der besonderen Veranstaltungsart zu wenig Teilnehmer geben und ließen deshalb AthletInnen aus allen Nationen zu. Tatsächlich ist aber das Gegenteil eingetreten. Die online Austragung hat vielen AthletInnen eine Teilnahme überhaupt erst ermöglicht, da sie ansonsten vielleicht nicht die finanziellen Mittel gehabt hätten zum Austragungsort zu reisen. Alle hatten durch diesen leichten Zugang also die gleichen Chancen – viele Talente konnten sich dadurch zeigen!

Wie geht die Saison für dich jetzt weiter? Welche Ziele hast?

Mein Wunsch ist es, bald wieder Wettkämpfe machen zu können. Bei all dem Training gehen einem die Turniere schon ab, irgendwann will man sich auch wieder beweisen. Im Oktober stehen die Staatsmeisterschaften an, auf die freue ich mich schon volle. Das langfristige Ziel bleibt aber eine WM- oder EM-Medaille. Die online-Europameisterschaft war nur ein kleiner Trost für die ausgefallene WM heuer in Dänemark. Sie wird nun auf 2022 verschoben und in Korea stattfinden.

Kannst du dich durch die zeitliche Verzögerung der WM nochmal anders und vielleicht auch besser vorbereiten?

Die gewonnene Zeit kommt mir eigentlich wirklich zugute. Es wäre sicherlich dieses Jahr eine tolle Erfahrung gewesen dabei zu sein, aber bei der nächsten WM kann ich bestimmt noch andere Platzierungen ins Auge fassen, als ich es dieses Jahr gekonnt hätte. Es ist schon ein Jahr was ich dazu geschenkt bekommen habe.

Hier geht’s im Übrigen zu Anna Schneebergers Video: ONLINE EM – Taekwondo – Anna Schneeberger 

Blog by Adele Tietgen

Die Liebe zum Sport – und zur Wissenschaft

Seit 8,5 Jahren arbeitet Lisa Steidl-Müller nun schon im Team des Olympiazentrums Tirol. Angefangen hat sie 2011 als studentische Mitarbeiterin. Seither hat sich sehr viel entwickelt: Sponsion, Promotion, Post-Doc Stelle, Publikationen, Habilitation, Lehre am ISW und seit 1,5 Jahren eine Stelle als Assistenzprofessorin.

Während des Studiums fuhr Lisa zweigleisig und absolvierte sowohl das Diplomstudium Lehramt (Italienisch sowie Bewegung und Sport), als auch den Bachelorstudiengang Gesundheits- und Leistungssport. Damals war es noch gänzlich offen, ob ihre berufliche Perspektive eher in der Schule oder in der Wissenschaft liegen würde.

Das Probejahr in der Schule hat Lisa noch erfolgreich absolviert. Auf dem Weg in den Einstieg in den Lehreralltag kam ihr aber dann die Liebe zur Wissenschaft dazwischen. Diese hatte sie bereits beim Schreiben ihrer Diplomarbeit entdeckt und ergriff dann die großartige Möglichkeit, sich im Rahmen der Dissertation weiterführend mit der Thematik des relativen Alterseffekt im alpinen Skirennlauf zu beschäftigen. Ihre Forschungsergebnisse prägen nicht nur ihre persönliche wissenschaftliche Laufbahn, sondern beeinflussen auch die Talentsichtung im alpinen Skirennlauf. Der Fokus ihrer wissenschaftlichen Arbeit liegt seither entsprechend sowohl in der, von Prof. Christian Raschner seit mehreren Jahrzehnten laufenden Talentforschung im Skirennlauf, als auch in einem in einem von Lisa initiierten großangelegten Projekts zur Verletzungsprävention im Nachwuchsskirennlauf in Zusammenarbeit mit der Ski-Mittelschule Neustift. Als leidenschaftliche Skifahrerin schätzt Lisa die Möglichkeit, sich auch wissenschaftlich mit dem Ski-Sport auseinanderzusetzen. In der Lehre am ISW konzentriert sie sich unter anderem auf die Fachdidaktik des Schulsports, auf die Vermittlung von wissenschaftlichem Arbeiten und im Rahmen des Bachelorseminars auf die Betreuung der Bachelorkandidaten.

Aus beruflicher Perspektive war das Freiwerden der studentischen Mitarbeiter-Stelle am Institut für Sportwissenschaft im Bereich Trainingswissenschaft bei Prof. Christian Raschner, und somit die Möglichkeit, im Team des Olympiazentrums mitzuwirken, der Türöffner zu ihrer bislang sehr erfolgreichen wissenschaftlichen Karriere. Bei der Erinnerung an die Anfangszeit muss Lisa lächeln und sich nochmals kurz bei Roland Luchner bedanken, der die Stelle damals „frei“ gemacht hatte. Heute sitzen beide gemeinsam in einem Büro und blicken bereits auf viele konstruktive und produktive als auch unterhaltsame Arbeitstage zurück.

i

WORDRAP „DA SCHAU HER“

Seit Anfang 2019 hast du eine Stelle als Assistenzprofessorin an der Universität und bist im Team des Olympiazentrums. War es für dich eine Entscheidung für die Wissenschaft oder gegen den Lehramtsberuf?

Definitiv für die Wissenschaft! Es gibt für mich nicht wirklich einen Grund gegen den Lehramtsberuf, aber so lange ich die freie Wahl habe, gebe ich der Wissenschaft den Vorrang. Zumal ich durch die Lehre in der Uni auch meine „Schüler“ habe und unterrichten kann (und mir der Ärger mit den Eltern erspart bleibt).

Was fasziniert dich an der wissenschaftlichen Arbeit?

Insbesondere reizt es mich, unerforschte Dinge herauszufinden, sich Themen anzunehmen und Expertise aufzubauen. Mich freut es, wenn man mit Forschung etwas in der Praxis bewirken kann, wie zum Beispiel zu mehr Fairness oder zur Verletzungsprophylaxe beitragen zu können.

Einer deiner Forschungsschwerpunkte ist die Talentforschung. Was begeistert dich an der Talentforschung?

Mir gefällt die Arbeit mit den NachwuchsathletInnen. Durch Ungerechtigkeit in der Talentsichtung werden zum Teil Träume zerstört. Es gibt verschiedene Einflussfaktoren und manchmal kommt es zu Selektionsfehlern. Sich mit der Talentforschung weiter zu beschäftigen ist zumindest der Versuch zu mehr Fairness beizutragen. Zudem ist es natürlich die Freude darüber, die Entwicklung der AthletInnen mitzuerleben und vielleicht einen kleinen Beitrag dazu leisten zu können. In dem Forschungsbereich bin ich noch immer glücklich.

Nachdem du dich so viel mit der Talentforschung beschäftigt hast, gibt es für dich eine ganz persönliche Definition von Talent?

Für mich ist Talent ein Zusammenspiel aus einer hohen intrinsischen Motivation, der körperlichen Voraussetzung für eine Sportart und vor allem einem großen Entwicklungspotential. Leistung muss immer im Zusammenhang mit dem aktuellen Entwicklungsstand gesehen werden. Zudem gehört eine hohe Anpassungsfähigkeit und eine hohe Lernbereitschaft zur sportlichen Weiterentwicklung. Ohne eigene Motivation geht es jedoch nicht.

Verrätst du mir ein geheimes Talent von dir? Oder hast du eine Schwäche, die du verraten willst?

Meine Schwäche ist definitiv: Ich bin Perfektionistin. Ansonsten habe ich eigentlich das Gefühl, dass ich meine Talente nicht verberge. Ich sportle, koche, backe und nähe unglaublich gerne und bereite anderen gerne mal eine Freude. Aber das kann man vielleicht nicht als Talent sehen… (Roland wirft prompt von gegenüber ein, dass er es definitiv als Talent ansehen würde).

Wie sieht dein Arbeitsalltag im Team des OZ aus?

Durch die vielen verschiedenen Bereiche ist mein Arbeitsalltag unglaublich abwechslungsreich und nie langweilig. Die Koordination der Leistungsdiagnostik am OZ und die damit einhergehende Terminverwaltung nimmt viel Zeit in Anspruch, genauso wie die PraktikantInnen-Betreuung. In der Forschung kann ich recht frei arbeiten und überlege mir gemeinsam mit Carolin Hildebrandt und Christian Raschner, was die nächsten Schritte sein können. Hier gilt es, stets auf dem aktuellen Stand der Literatur zu sein, Daten zu erheben und auszuwerten, Publikationen zu schreiben und die eigenen Forschungsergebnisse auf Kongressen oder Fortbildungen weiterzugeben. Neben der Forschung nimmt auch die Lehre einen großen Teil meiner Arbeit ein. In die Lehre stecke ich recht viel Energie und versuche mich immer daran zu erinnern, was ich selbst als Studentin gerne bekommen hätte in den Lehrveranstaltungen und versuche, das umzusetzen. Ich möchte mit den StudentInnen und nicht gegen sie arbeiten.

Grundsätzlich ist der Alltag schon sehr stressig, aber ich schaue immer, dass mein Sport nicht zu kurz kommt und das Privatleben auch nicht. Aber Wissenschaft macht am Wochenende eben keine Pause…

An welchen spannenden Projekten arbeitest du zurzeit? Oder ist das noch top-secret?

Zum einen arbeite ich fortlaufend an einem langfristigen Projekt zur Verletzungsprävention mit der Ski-Mittelschule Neustift. Hier haben wir gerade einen Artikel publiziert über eine Studie, in der wir uns den Einfluss von Trainingsbelastungsmerkmalen auf das Verletzungs- und Krankheitsrisiko angeschaut haben. Des Weiteren habe ich vor Kurzem einen Artikel über die Veränderungen in der sportmotorischen Leistungsfähigkeit sowie der anthropometrischen Daten über eine Saison als mögliche Verletzungsrisikofaktoren publiziert. Dort konnte gezeigt werden, dass SportlerInnen, welche sich in ihrer Sprungkoordinationsfähigkeit mehr verbessern konnten innerhalb einer Saison, ein geringeres Verletzungsrisiko aufwiesen. Außerdem zeigte sich, dass AthletInnen mit großen Wachstumsschüben vorübergehend einem größeren Verletzungsrisiko ausgesetzt sind. Vor Kurzem wurde auch ein Artikel akzeptiert, in welchem wir uns die Entwicklung des sportmotorischen Leistungsniveaus von NachwuchsskirennläuferInnen im Vergleich von vor 15 Jahren und heute angeschaut haben. Hier sind klare Tendenzen zu erkennen, dass die heutigen NachwuchsskirennläuferInnen deutlich bessere Rumpfkraftwerte aufweisen als jene, die vor 15 Jahren getestet wurden, was sich durch diverse Trainingstrends und diverse Verletzungsstudien, in denen die Bedeutung der Rumpfkraft in der Verletzungsprävention aufgezeigt wurde, in den letzten Jahren erklären lässt. Zudem startet ein Projekt, welches den Einfluss des biologischen Entwicklungsstandes bzw. diverser anthropometrischer Parameter auf das Verletzungsrisiko untersuchen wird. Hier sind schon klare Tendenzen zu erkennen, dass weniger weit entwickelte Kinder ein höheres Verletzungsrisiko haben, da die Trainingsintensitäten nicht genügend differenziert werden. Darauf aufbauend sollen dann noch weitere Risikofaktoren im Nachwuchsskirennlauf untersucht werden. Im Herbst wird zudem das Klug und Fit Projekt fortgesetzt. In Kooperation mit der Uni Salzburg wird dabei die sportmotorische und kognitive Leistungsfähigkeit der österreichischen Schuljugend untersucht.

Was schätzt du am meisten an der Arbeit am Olympiazentrum?

Definitiv das Team und die feine Atmosphäre am Olympiazentrum. Zudem schätze ich die Wertschätzung und Eigenständigkeit. Meine Arbeit besteht nicht in einem Abarbeiten einer to-do Liste, sondern ich kann meine eigenen Vorstellungen verwirklichen.

In 8 Jahren Arbeit am OZ. Welcher Moment ist dir am eindrucksvollsten in Erinnerung?

Da gibt es so viele schöne und lustige Momente, an die man gerne denkt…

Worin siehst du die Vorteile und (Nachteile?) der Zusammenarbeit des Instituts für Sportwissenschaft und des Olympiazentrums?

Hauptsächlich sehe ich Vorteile, vor allem in der Verknüpfung zwischen Theorie und Praxis. Durch die enge Zusammenarbeit kann die tägliche Forschung in die tägliche Praxis übertragen werden. Viele der Trainer am OZ halten Lehrveranstaltungen und können so ihre Erfahrungen direkt an die StudentInnen weitergeben. Außerdem ist es für die Studierenden von Vorteil, dass sie im Zuge eines Praktikums im Olympiazentrum die Möglichkeit haben, das im Studium Gelernte in der Praxis anwenden zu können bzw. beobachten zu können.

Wo findet man dich, wenn nicht im OZ?

Auf dem Tennisplatz, beim Skifahren, beim Klettern, bei den Neffen und Nichten oder daheim beim Nähen, Kochen oder Arbeiten.

Du hast schon früh angefangen Tennis zu spielen. Wer war damals größer, du oder der Tennisschläger?

Viel wird da tatsächlich nicht gefehlt haben. Allerding spiele ich schon seit ich denken kann Tennis und habe daher keine genaue Erinnerung an die ersten Tage auf dem Tennisplatz. Ich glaube ich war zwei Jahre alt, als mir meine Familie das erste Mal einen Schläger in die Hand gegeben hat.

Hast du Vorbilder oder Leute, die dich inspiriert haben bzw. inspirieren?

Meine Eltern, sie haben mich sowohl beruflich als auch menschlich inspiriert und mir gezeigt, dass man Beruf und Familie sehr wohl gut unter einen Hut bekommen kann.

Was war dein Traumberuf in der Kindheit?

Als kleines Kind wollte ich Hebamme werden, wobei ich da nicht wirklich wusste, was eine Hebamme macht… Später wollte ich immer Lehrerin werden.

Gibt es eine sportliche Karriere, vor der du besonders Hochachtung hast und welche du besonders viel verfolgst oder verfolgt hast?

Ja, bei Marcel Hirscher hat mich immer die Konsequenz fasziniert, mit welcher er seiner sportlichen Karriere nachgegangen ist. Er war wahrhaftig ein vollkommener Athlet und sicherlich für viele Nachwuchssportler ein Vorbild.

Die Entwicklung von Anna Stöhr habe ich ebenfalls sehr nah mitbekommen, da auch ein persönlicher Kontakt vorliegt. Sie hat sehr viel erreicht und durch ihre beeindruckende Karriere und ihr sympathisches Auftreten den Klettersport in Österreich vorangetrieben.

Blog by Adele Tietgen

Der Traum von Olympia

Die Weltmeisterschaft in Stuttgart und eine damit verbundene Olympiaqualifikation stellt unsere Athletin und Athleten für eine gemeinsame Challenge.

Um ihre Träume zu verwirklichen, haben alle drei unsere Athleten ihren Heimatort verlassen, um die Möglichkeiten vom Österreichischen Turnverband und auch vom Olympiazentrum in Innsbruck in Anspruch zu nehmen. Elisa Hämmerle wagte darüber hinaus dieses Jahr den noch größeren Schritt, sie entschied sich für eine internationale Trainingsgruppe in Hoofddorp/Niederlande. Hier stellen wir die Starter bei der „WORLD CHAMPIONSHIPS – ARTISTIC GYMNASTIC – Stuttgart 2019″ genauer vor:

Elisa Hämmerle  (23 Jahre), ist 19-fache Staatsmeisterin. Sie konnte bereits einige internationale Erfolge feiern, so war sie bereits sechs Mal bei der Europameisterschaft und fünf Mal bei der Weltmeisterschaft dabei. Weiters konnte sie bereits vier Medaillen bei Weltcups gewinnen. Bei den olympischen Jugendspielen 2010 belegte sie den 12.Platz. Auch sie legte ihren Fokus auf den Mehrkampf.

Alexander Benda (22 Jahre), auch Xandi, hat seinen Fokus vor allem auf den Mehrkampf* gelegt. Er ist 7-facher Staatsmeister, weiters konnte er bereits einen 10.Platz im Weltcup erreichen.

Vinzenz Höck (23 Jahre), bestreitet genauso den Mehrkampf*, ist jedoch vor allem auf den Ringen unterwegs. Als seinen größten Erfolg nennt er die Silbermedaille bei der Universiade 2019. Weiters konnte er bereits 2017 im Weltcup einen 2.Platz erreichen, auch 2019 ist ihm ein 3.Platz gelungen.

Geheimrezept „verletzungsfrei“

Was ist euer Geheimrezept um verletzungsfrei zu bleiben?

Elisa: Ein zentraler Punkt, um verletzungsfrei zu bleiben, ist meiner Meinung nach, auf die Signale des eigenen Körpers zu hören und diesen auch treu zu bleiben. Neben ausreichend Schlaf und ausgewogener Ernährung, versuche ich auch mein Training so effizient wie möglich zu gestalten, sprich weniger Wiederholungen, dafür diese mit maximaler Konzentration.

Alexander: Aufgrund von Verletzungen, habe ich gelernt, dass ich mehr auf meinen Körper hören muss. So lege ich nun mehr Wert auf aktive Pausen und nehme auch häufiger Physiotherapie und Massagen in Anspruch.

Vinzenz: Mein größtes Geheimrezept ist so gut wie möglich auf meinen Körper zu hören und ihm auch einmal eine kurze Pause zu gönnen. Ein weiteres gutes Rezept ist genug Schlaf, ich bin der Meinung, nur mit ausreichend Schlaf kann man Höchstleistungen bringen und sich vor allem gut genug für den nächsten Trainingstag regenerieren.

Vinzenz Höck // Foto: ÖFT, Leo Hagen

Der internationale Vergleich

Welche Platzierungen konntet ihr bisher bei Weltmeisterschaften in den vergangenen Jahren erreichen?

Elisa nahm bereits fünf Mal bei den Weltmeisterschaften teil, sie konnte sich in den vergangenen Jahren im Mehrkampf stets im vorderen Drittel bzw. im guten Mittelfeld positionieren.

Alexander hatte bei der Weltmeisterschaft 2017 in Montreal keinen guten Tag erwischt, so blieb er auf allen 3 Geräten auf denen er angetreten ist deutlich unter seinem Leistungsniveau.

Vinzenz hingegen lief es bei dieser Weltmeisterschaft deutlich besser, so konnte er 2017 in Montreal den 17.Platz erreichen.

Was sind eure Erwartungen an die bevorstehende Weltmeisterschaft?

Elisa: Zum einen ist es mein Ziel, einen fehlerfreien Wettkampf zu turnen, zum anderen habe ich die letzten Monate sehr hart an der Ausführung und Präzision meiner Übungen gearbeitet. So hoffe ich, dass sich das bezahlbar macht und sich in den Bewertungsnoten widerspiegeln wird.

Alexander: Ich erwarte mir eine super Stimmung in der Halle freue mich schon darauf, dass ein großer Teil meiner Familie zuschauen kommt. Aber vor allem passt mein Trainingsaufbau sehr gut und ich erwarte mir von mir selber trotz der Olympiaqualifikation im Hinterkopf eine Top Leistung zu bringen und meinen Mehrkampf so fehlerfrei wie möglich zu turnen.

Vinzenz: Dieses Jahr werden die Olympiatickets bei der WM vergeben, aus diesem Grund liegt der Fokus dieses Jahr vor allem auf dem Ergebnis vom Mehrkampf, wo ich die Top 50 erreichen möchte. An den Ringen hoffe ich, dass ich mein bisher bestes Ergebnis toppen kann und unter die Top 15 der Welt turnen kann.

Elisa Hämmerle // Foto: Olympiazentrum

Der Traum von Olympia

*Qualifikationskriterien sind von den Leistungen unserer Turner und Turnerin abhängig und von den Leistungen aller anderen Turner und Turnerinnen, so spielt es auch eine Rolle welche bereits qualifizierten TurnerInnen die vorderen Plätze belegen.

Alexander, wie sehr träumt man von Olympia?

Alexander: Seit ich dieses Jahr realisiert habe, dass es nun auch bei mir an der Zeit ist, dass es um Olympia geht, geistert es ständig durch meinen Kopf, motiviert mich immens in meinem Training und es gibt für mich derzeit in meinem Leben kein größeres Ziel als die 5 Ringe!!!!

Vinzenz, wie schätzt du deine Chancen für die Olympiaqualifikation ein? 

Vinzenz: Wenn ich beim Mehrkampf alle 6 Übungen ohne einen Fehler zeigen kann, habe ich sehr gute Chancen denke ich, dementsprechend ersuche ich so selbstbewusst wie möglich in den Wettkampf zu gehen.

Wie bereitet sich ein Turner für die olympischen Spiele in Tokyo 2020 vor?

Alexander: Ich habe versucht hartes Training und gute Erholung zu vereinbaren um verletzungsfrei zu bleiben, aber auch nicht unter meinen Möglichkeiten zu bleiben. Und in Stuttgart wird sich zeigen ob dies funktioniert hat. Weiters ermöglicht mir das Olympiazentrum die Unterstützung durch eine Sportpsychologin, wovon ich meiner Meinung nach sehr profitiere.

Vinzenz: Das kann ich hoffentlich nächstes Jahr beantworten!

Elisa, welcher Druck lastet auf dir vor der Olympiaqualifikation, vor allem weil du zu den österreichischen Favoritinnen zählst?

Elisa: Heute versuche ich mich von diesem „Olympia-Hype“ nicht mehr so sehr unter Druck setzen zu lassen und mich mental mehr davon abzuschirmen. Damals meinte ich, nur durch die Olympiateilnahme ist meine Turnkarriere von Bedeutung. Das leiten lassen durch diese Emotionen hat wahrscheinlich dazu geführt, dass ich die Signale meines Körpers ignoriert und dessen Grenzen zu oft überschritten habe. (Elisa hatte sich vor der Olympiaqualifikation für Rio 2016 die Achillessehne gerissen.) Außerdem empfinde es weniger als Druck, sondern eher als positiver Ansporn, die Favoritenrolle zugeschrieben zu bekommen. Der größte Druck sowie die meisten Erwartungen kommen, glaube ich zumindest, meist von einem selbst.

Bitte schwindelfrei!

Alexander und Vinzenz frischten die Sportpressemeldungen in den vergangenen Tagen mit spektakulären Bildern vom Fotoshooting für die Werbekampagne für die Staatsmeisterschaft in Graz auf.

Wie fühlte es sich in solch einer Höhe auf den Ringen an?

Alexander: Es war eines der coolsten Erlebnisse die ich je hatte!! Grundsätzlich muss man einmal sagen, dass Ringe ein Gerät ist auf dem man zwar natürlich auch Fehler macht aber nie runter fällt. Und als wir in weniger Höhe unterwegs waren hatten wir Matten darunter und keine schweren Übungen gemacht. Als wir dann aber auf über 30m waren haben wir uns mit Seilen die Handgelenke an den Ringen fest gebunden! Angsteinflößend war es trotzdem aber gleichzeitig einfach nur geil!!!

Vinzenz: Das Fotoshooting neben dem Grazer Wahrzeichen war auf alle Fälle etwas spektakuläres und außergewöhnliches. Vor allem da wir die ersten waren, die ein Ringe Gerüst mithilfe eines Krans in solche schwindelerregenden Höhen befördert haben.

Alexander Benda // Foto: ÖFT, Leo Hagen

einfach mal Danke sagen

Elisa: Besonders möchte ich meinen Eltern danken, die mir immer zur Seite gestanden sind, mich einerseits meine eigenen Entscheidungen treffen gelassen und diese auch unterstützt haben. Des Weiteren möchte ich meinem alten Trainer, Laurens Van der Hout, mit dem ich von 2012-2016 trainiert habe, danken. In dieser Zeit hat sich das Turnen erst richtig zu meiner Leidenschaft entwickelt. Eine weitere prägende Person in meiner Turnlaufbahn ist Christoph Ebenbichler, der mir geholfen hat, den schwierigsten Punkt meiner Karriere zu überwinden und den Anschluss an die internationale Turnbühne wiederzufinden. Ein großes Dankeschön gilt auch meinen zwei Trainern hier in Holland, Patrick Kiens und Daymon Jones, die meinem Turnen einen neuen Charakter verpasst haben und durch die ich nun top vorbereitet an die WM gehen kann. 

Alexander: Am meisten Dank gilt meinen Eltern die mir, vor allem in jungen Jahren, immer die richtige Mischung aus Motivation aber kein Druckgefühl gaben. Natürlich gilt auch viel Dank meinem Juniorentrainer Benno Poduschka und meinem jetzigen Trainer Petr Koudela, genauso auch meinem Trainer beim Olympiazentrum Carson Patterson. Aber nicht zu vergessen meinen Trainingskollegen ohne die das Trainingsklima nicht so wäre wie es ist!! Dennoch ist für einen Sportler immer sein familiärer und freundschaftlicher Rückhalt eine der wichtigsten Sachen.

Vinzenz: Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich sehr viele Leute hinter mir habe, auf die ich zählen kann. Ganz besonderes muss ich vor allem meiner Familie, meinen Eltern und meiner Freundin danken, die mich vor allem in schwierigen Zeiten zum Durchhalten und weitermachen motivieren. Weiters meinem ersten Trainer Benno Poduschka der mir die Liebe zu Turnsport mitgegeben hat. Meinen aktuellen Trainern Petr Koudela und Carson Patterson, die mich zurzeit täglich begleiten und unterstützen. Auch wenn Turnen eine Einzelsportart ist, ist eine motivierte und zielstrebige Trainingsgruppe unabkömmlich, aus diesem Grund möchte ich mich hier bei meinem Wegbegleiter und Teamkollegen Alexander Benda bedanken für die etlichen Stunden die wir zusammen in der Turnhalle miteinander verbracht haben. Die Liste könnte noch ewig weiter gehen, ich möchte mich hier an dieser Stelle jedoch bei meinem Verein (ATG), Verband (ÖFT) und dem Olympiazentrum Tirol für die unglaublichen Trainingsmöglichkeiten, Therapiemöglichkeiten und Unterstützungen bedanken, die ich von allen erhalten habe.

Ungewohntes Terrain

Im Rahmen ihres Sommertrainings nahmen sieben ÖSV-Athleten rund um Abfahrtsvizeweltmeisterin Stephanie Venier an der diesjährigen Dolomitenrundfahrt teil. Sport.tirol erklärt, was es damit auf sich und welche Rolle das Innsbrucker Olympiazentrum dabei gespielt hat.

Die Anfang Juni ausgetragene Dolomitenrundfahrt lockte erneut hunderte Teilnehmer nach Osttirol. Neben Amateur- und Hobbysportlern unterschiedlicher Alters- und Niveaustufen ging bei der diesjährigen Ausgabe des etablierten Radmarathons auch ein ganz spezielles Team in Lienz an den Start – nämlich eine kleine ÖSV-Abordnung rund um Abfahrtsvizeweltmeisterin Stephanie Venier, die gemeinsam mit sechs ihrer Kollegen und unter Anleitung des Innsbrucker Olympiazentrums die 116 Kilometer und über 1.800 Höhenmeter der Rundfahrt in Angriff genommen hat.

Das Event bildete den Abschluss eines dem Ausdauerbereich gewidmeten Trainingsblocks im Rahmen des Sommertraininings im Olympiazentrum, das einige ÖSV-Athleten in der wettkampffreien Zeit betreut. Die Idee, die obligatorischen Konditionseinheiten mit einem Rennen zu verknüpfen und so einen zusätzlichen Anreiz für die Sportler zu schaffen, kam vom Trainerteam des Olympiazentrums, wobei die Sportwissenschaftler Lukas Höllrigl und Chris Ebenbichler die treibenden Kräfte dahinter waren. „Es ging nicht darum, in irgendeiner Form Ergebnisse abzuliefern, sondern darum, gemeinsam etwas zu erleben und dezidiert auf etwas hinzuarbeiten“, erläutert Ebenbichler die Hintergründe. „Das Rennen sollte ein zusätzlicher Ansporn sein, damit die Athleten das Gefühl haben, es lohnt sich, das Trainingsprogramm gewissenhaft zu absolvieren.“

 

Gemeinsam mit dem Team des Olympiazentrums Tirol bereiteten sich sieben Athleten des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV) auf die diesjährige Dolomitenrundfahrt in Osttirol vor.

 

Angeboten hätte sich die Dolomitenrundfahrt dabei vor allem aufgrund ihres Streckenprofils: Die Route sei nämlich nicht allzu schwer, deren Distanz gerade richtig und die Anstiege auch für keine ausgewiesenen Ausdauersportler noch bewältigbar. „Wir hatten den Eindruck, dass das eigentlich ganz gut passen könnte“, erklärt Höllrigl. „Also haben wir es unseren Athleten einfach mal vorgeschlagen.“ Und das Vorhaben fand durchaus Anklang, immerhin haben sich letztlich sieben Sportler des ÖSV freiwillig dazu gemeldet – unter anderem auch Stephanie Venier, die, abgesehen von diversen Trainingseinheiten und einer Teilnahme als Jugendliche beim Dreiländergiro, bis dahin keine größeren Erfahrungen auf dem Straßenrad vorzuweisen hatte. „Ich habe mir gedacht, wieso eigentlich nicht“, erläutert Venier ihren Entschluss. „Radfahren gehört sowieso zur Vorbereitung dazu, und so ein Wettkampfformat war mal was anderes. Also habe ich zugesagt.“

In der Folge wurde ihr, ebenso wie ihren sechs Teamkollegen, ein individueller Trainingsplan vom Olympiazentrum ausgehändigt. Darüber hinaus standen jedoch auch eine Leistungsdiagnose in Form eines Laktatstufentests sowie mehrere gemeinsame Ausfahrten mit dem Rad auf dem Programm. Durch diese Maßnahmen sollte gewährleistet werden, dass die Athleten für die bevorstehende Herausforderung bereit und bestmöglich darauf eingestellt sind.

 

Die Bestandsaufnahme

Der Laktatstufentest mit Venier wurde im Olympiazentrum in Innsbruck durchgeführt. Zuständig dafür war Höllrigl, der sich zwar primär um Ausdauersportler kümmert, fallweise jedoch genauso Athleten aus anderen Bereichen berät. „Wenn es um den Faktor Ausdauer geht, werde ich immer mal wieder für Diagnostiken oder Ratschläge hinsichtlich der Trainingsplanung herangezogen“, berichtet der Experte. „Und gerade der Skisport ist eine hochkomplexe Angelegenheit, bei der viele konditionelle Faktoren zusammenspielen.“

 

„Der Skisport ist eine hochkomplexe Angelegenheit, bei der viele konditionelle Faktoren zusammenspielen.“ Lukas Höllrigl, Sportwissenschaftler

 

Doch obwohl Ausdauer im Skisport eine große Bedeutung zukomme, sei sie nicht die vorrangige Eigenschaft, meint Höllrigl. Folglich bestünden in dieser Hinsicht mitunter deutliche Unterschiede zwischen Skifahrern und erklärten Ausdauersportlern wie etwa Radfahrern, vor allem im Hinblick auf Erfahrung und Leistungsfähigkeit. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist die Teilnahme an einem Rennen wie der Dolomitenrundfahrt kein Spaziergang für die sieben ÖSV-Athleten – auch wenn sie als Profis natürlich gut in Form sind und Fahrräder insbesondere während der schneefreien Zeit zu ihren wichtigsten Trainingsgeräten zählen.

 

Stephanie Venier und Lukas Höllrigl beim Laktatstufentest im Innsbrucker Olympiazentrum.

 

„Grundsätzlich geht es darum, den Ist-Zustand der Fähigkeit Ausdauer festzustellen“, erklärt Höllrigl den Zweck der Laktatstufentests, für die in der Regel Fahrradergometer zum Einsatz kommen. „Das hilft uns dabei, Intensitätsbereiche zu definieren und das weitere Training der Athleten entsprechend zu steuern.“ Diese müssen nämlich wissen, mit welcher Geschwindigkeit und welcher Herzfrequenz sie die Trainingseinheiten im Sommer absolvieren sollen, damit sie mit möglichst geringem Aufwand einen möglichst großen Effekt erzielen, bis im Herbst das Schneetraining wieder beginnt.

Dafür wird am Ergometer die Belastung kontinuierlich erhöht, während gleichzeitig Kapillarblutproben vom Sportler entnommen und dessen Pulswerte gemessen werden. Diese Messungen geben nicht nur Aufschluss über die einzelnen Intensitätsbereiche, sondern auch über mögliche Fort- oder etwaige Rückschritte. Die Prozedur selbst dauert so lange, bis der jeweilige Athlet am Ende seiner Kräfte angelangt ist, das heißt, einfach nicht mehr kann. Im Fall von Venier dauert es gut eine halbe Stunde, bis dieses Limit erreicht ist. Insgesamt hat sie sechs Stufen geschafft und sich gut geschlagen, wie Höllrigl attestiert. Man müsse zwar noch die Auswertung abwarten, könne jedoch schon im Vorhinein sagen, dass die Werte ähnlich wie im Vorjahr, vielleicht sogar leicht verbessert seien. „Und das ist überaus erfreulich“, so Höllrigl.

 

Der Probedurchgang

Neben dem Laktatstufentest trafen sich die Sportler und die Betreuer des Olympiazentrums auch zu mehreren gemeinsamen Ausfahrten mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Dabei stand generell weniger die Trainingsintensität im Vordergrund als vielmehr die Gewöhnung an das Rad und das Kennenlernen der Besonderheiten eines Massenrennens mit hunderten Startern – das heißt, das Fahren im Feld bei hohem Tempo, das richtige Verhalten auf der Straße oder das Einhalten des Ernährungsplans während des Rennens. Diese Hürden stellten nämlich, mehr noch als die körperlichen Anforderungen, die größte Herausforderung für die „Rad-Neulinge“ des ÖSV dar.

Nach einigen kleineren Ausflügen stand mit der Karwendelrunde die anstrengendste Probefahrt an. Die Route führte von Innsbruck über Telfs und Mittenwald bis zum Achensee und wieder retour nach Innsbruck. Venier zufolge nahm sich diese Tour gänzlich anders aus als jene, die sie zuvor unternommen hatten: „Die Karwendelausfahrt war um einiges länger, und das merkte man auch“, so die Tirolerin. „Aber es hat gut getan, dass wir mal so lange gefahren sind und viele Höhenmeter gemacht haben, denn so konnten wir uns an die Belastung gewöhnen.“

Und genau das, so Ebenbichler, sei auch das Ziel der Tour gewesen: „Jeder sollte mal an seine Grenzen gehen und möglichst lange Zeit im Sattel verbringen. Dass wir am Ende für die 160 Kilometer ungefähr sechs Stunden benötigt haben, ist gar nicht so schlecht, wenn man bedenkt, dass wir immer zusammengeblieben sind und uns am langsamsten Fahrer orientiert haben.“

 

Das Rennen

In der letzten Woche vor dem Rennen wurde der Fokus hingegen auf aktive Erholung und Aktivierung gelegt, bevor das Team „Olympiazentrum Tirol“, als das die sieben ÖSV-Athleten sowie Höllrigl und Ebenbichler schließlich antreten sollten, nach Lienz anreiste. Zusammen hat man die Startnummern abgeholt und das Material vorbereitet, und beim gemeinsamen Abendessen am Vorabend wurde schließlich nochmal die Rennstrategie besprochen. „Oberste Devise war, dass sich niemand verletzen sollte“, so Höllrigl. „Vor allem vor den Abfahrten mussten wir warnen – als Skifahrer und Snowboarder haben die Athleten dazu natürlich einen ganz eigenen Zugang.“

Da Höllrigl und Ebenbichler selbst am Rennen teilnahmen, konnten sie während des Rennen nicht auf ihre Schützlinge achtgeben, doch auch so hielten alle ÖSV-Asse den Renn- und die Ernährungspläne ein, sich selbst bei Abfahrten möglichst zurück und bis zum Ende durch – am Ende schafften es allesamt wenngleich erschöpft, aber doch unbeschadet ins Ziel. Dementsprechend zufrieden zeigten sich die Trainer nach dem Rennen, wobei sie sich am meisten über das Engagement ihrer Sportler freuten, die sich voll auf das Event eingelassen hätten. „Zu Beginn des Projekts meinten einige noch, sie würden das Rennen eher locker angehen“, berichtet Höllrigl. „Aber sobald sie die Startnummer übergestreift hatten, sind sie doch alle wieder an ihre Grenzen gegangen.“

 

Alles in allem zeigte sich Stephanie Venier (hier im Bild mit Thomas Rohregger und Siegfried Grabner) zufrieden mit ihrer Leistung bei der Dolomitenrundfahrt.
© Expa Pictures

 

Auch Venier war glücklich mit ihrer Leistung und der Ansicht, dass sie und ihre Kollegen durchaus stolz auf sich sein könnten. „Gerade die Anstiege waren echt hart, vor allem bei der Hitze“, erzählt die Tirolerin. „Aber ich habe mich an den Rennplan und gut mit meinen Kräften hausgehalten.“ Die umfassende Vorbereitung auf das Rennen sei ihrer Meinung nach auf jeden Fall nötig gewesen: „Ohne Anleitung hätten wir uns wohl alle extrem schwer getan. Wobei, leichter wird das Ganze ja nie, man wird nur selbst besser.“ Mit ihrer Zeit von knapp über vier Stunden konnte Venier im Übrigen gut leben. Alles in allem, so meint sie, sei es für sie besser gelaufen als erwartet.

Im Grunde spielen die einzelnen Ergebnisse aber ohnehin keine allzu große Rolle, denn letztendlich sei es nicht das Ziel gewesen, die Athleten so zu konditionieren, dass sie möglichst gut beim Rennen abschneiden würden. Wichtig sei einzig und allein, dass sie möglichst lange von der Vorbereitung und der Erfahrung profitieren, so Ebenbichler. „Die Sportler haben nicht nur mitgenommen, dass Radrennen spannend sein können, sondern auch gemerkt, dass sie viel mehr aus dem Training rausholen können, wenn sie konzentriert bei der Sache sind und die Einheiten genauso durchziehen, wie sie auf dem Plan stehen.“ Ohne ein konkretes Ziel vor Augen wäre das vielleicht nicht ganz so einfach zu vermitteln gewesen.

Text: sport.tirol.at

Sicherheit durch Stabilität

Es ist einfach aufzustellen, dass ein Unternehmen in Form und Struktur gut funktioniert. Dies zu behaupten, kostet eine beträchtliche Portion Mut. Denn nicht Quantität und Umsatzzahlen sind die entscheidenden Faktoren, die zu einem erfolgreichen Gebilde verhelfen. Es gibt ein weit wichtigeres, dem Strukturerhalt dienendes Kriterium: Die qualitative, sozial-umgängliche Komponente. Auch diese Eigenschaft ist schnell beteuert, doch was dahinter steckt ist ein hochkomplexes Zusammenspiel im System von Normen und Werten. Ein Kollektiv wirkt nur dort, wo Anteilnahme, Kommunikation, Kooperation, Respekt und Vertrauen herrschen. Du hast mit Sicherheit schon einmal in einer Gruppe oder in einem Team mit anderen Menschen zusammengearbeitet oder warst mit ihnen im Sport aktiv. Frage: Würdest du eher mit Leuten zusammenarbeiten, die nicht deiner Vorstellung entsprechen oder doch lieber mit Menschen, mit denen dich du gut verstehst?

Wie heißt es so schön: Ein Team ist nur so gut wie sein schwächstes Glied. Es steckt jedoch mehr dahinter. Durch die Akzeptanz und Integration aller Mitglieder werden Schwachstellen überwunden und zusätzlich die Fähigkeiten aller Individuen vollkommen ausgeschöpft. Erst mit Erreichen ebendieser Dynamik im gesamten System, entstehen Motivation sowie Zusammenhalt, welche einen großen Einfluss auf die Funktion des Zusammenschlusses haben.

Ich heiße Hannes Schuchardt, studiere Sport und Leistung in Köln und war Praktikant im Olympiazentrum Innsbruck/Tirol von März bis Juli 2019. Als ich am ersten Tag im Olympiazentrum ankam, sprühte ich vor Erwartungen, war voller Neugier und hatte große Ehrfurcht gegenüber den aktiven Athletinnen und Athleten. Vorab: meine Neugier stieg mit der Zeit kontinuierlich an und was die akkreditierten Sportlerinnen und Sportler angeht, flachte die Ehrfurcht zwar ab, der Respekt gegenüber den berufstätigen Sportlern schoss jedoch in die Höhe.

Doch was erwartete mich dort wirklich?

Um ehrlich zu sein, allzu hohe Erwartungen konnte ich als einfacher Praktikant eigentlich nicht stellen. Anfänglich galt es tatsächlich, sich in den Alltag einer unterstützenden Kraft einzuleben. In den ersten Tagen war es herauszufinden, wie du dir selbst am besten verhilfst. Für meinen Teil war mir von Beginn an die leere Zeit (vor den „Test“-Phasen der sportmotorischen Leistungsdiagnostik der Athletinnen und Athleten) zu schade, diese sinnfrei totzuschlagen. Einige Studien in sämtlichen Teilbereichen mussten deshalb daran glauben, weiters suchte ich die Gespräche zu Mitarbeitern und verfolgte die ein oder andere Trainingseinheit im Kraftraum. Schnell begann ich zu begreifen, dass es mehr zu holen gibt, wenn du dich von deinem Praktikantsein löst und dir durch Wissbegierde und Engagement einen Weg in die tägliche Arbeit der Wissenschaftler und Trainer bahnst. Schon früh hegten Trainer Interesse an einer möglichen Zusammenarbeit. Dank vollem Vertrauen erhielt ich infolgedessen die Möglichkeit, im konditionellen Bereich Trainingseinheiten zu übernehmen. Für mich war diese Bereitschaft zur Zusammenarbeit alles andere als selbstverständlich, wodurch mein Hauptaugenmerk ab sofort diesen Einheiten gewidmet war. Neben Testungen der Leistungsdiagnostik in verschiedensten Sportarten war ich demnach ab sofort auch im aktiven Training involviert. Diese Zeit zeigte mir, dass Vertrauen auf einer engen Beziehungsbasis beruht und eine Menge Potenzial enthält. Durch diese praktischen Erfahrungen entdeckte ich für mich außerdem eine neue Thematik, in die ich ab diesem Zeitpunkt viel Zeit investierte. Zu meinem Glück durfte ich auch in diesem Gebiet wöchentlich mit Athleten arbeiten. Eine unermessliche Erfahrung war das Erarbeiten und Halten einer teaminternen Fortbildung, welche mich durch rege Diskussionen um eine sehr wertvolle Erfahrung bereicherte. Meine Bereitschaft bot ihnen die Möglichkeit, Aufgaben abzugeben und neuen Input zu erhalten. Ihr Vertrauen gab mir die Möglichkeit, mich zu entfalten und Erfahrung zu sammeln.

Dank der optimal verflochtenen Beziehungen im Team des Olympiazentrums herrscht untereinander ein diskursiv-respektvoller Austausch aktueller, brisanter und umstrittener Themen. Ich für meinen Teil wage zu behaupten, dass diese Einrichtung – abgesehen von den vielen sportlichen Erfolgen – durch ihr persönliches Verbundsystem eine äußerst erfolgreiche ist.

Autor dieses Blogposts→ Hannes Schuchardt, Praktikant, 22 Jahre aus Füssen, studiert in Köln. 

i© Bilder: Olympiazentrum Tirol

Mit Cap und Charakter

Roland Luchner ist seit 2011 fester Bestandteil des Trainerteams im Olympiazentrum Tirol. Vor seiner Tätigkeit am Olympiazentrum war er unter anderem beim HC Innsbruck (Eishockey) sowie der WSG Wattens (Fußball ehemalige 3. Liga) als Konditionstrainer tätig. Zudem hatte er die sportwissenschaftliche Betreuung des Sport BORG und der Sport HAS in Innsbruck inne.
Heute zählen neben Golferinnen und Golfern, Sportschützinnen und Sportschützen vor allem Alpine Skirennläuferinnen und Skirennläufer zu seinem Athletenpool.

 

WORDRAP „DA SCHAU HER“

Was schätzt du am meisten am Olympiazentrum?

Zum einen interessiert mich die Arbeit mit Athletinnen und Athleten aus dem Leistungssport, welches in dieser Form außerhalb des Olympiazentrums in Tirol schwierig möglich ist, da ein Großteil der in Tirol lebenden Nachwuchs- und SpitzensportlerInnen durch das Olympiazentrum versorgt sind. Es ist wahnsinnig spannend und herausfordernd, mit ihnen gemeinsame Visionen auszuarbeiten, einen Plan für das Erreichen ihrer Ziele zu erstellen und mit konsequenter und harter Arbeit den gesteckten Zielen Schritt für Schritt näher zu kommen.
Zum anderen schätze ich die Arbeit im Team und den täglichen Austausch mit den MitarbeiterInnen, welche allesamt ExpertInnen in ihren Bereichen sind. Dadurch bekommt man ständig neue Informationen, die man in die Arbeit mit seinen Athletinnen und Athleten einfließen lassen kann.
Zu guter Letzt ist die Sportartenvielfalt zu erwähnen, welche die Arbeit im Olympiazentrum sehr spannend macht. Hiervon profitieren nicht nur wir Trainer, sondern auch die Athletinnen und Athleten bei uns im Haus. Der ständige Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Sportarten ermöglicht einen sehr wertvollen, sportartübergreifenden Erfahrungsaustausch und stellt einen der größten Benefits des Systems Olympiazentrum dar.

Alpiner Skirennlauf gilt als Hochrisikosportart. Was sind diesbezüglich deine Erfahrungen?

Natürlich ist allen Beteiligten klar, dass es sich beim Alpinen Skirennlauf um eine Hochrisikosportart handelt, bei der es immer wieder zu schweren Verletzungen kommt. Dennoch versucht man das Risiko so gut es geht zu minimieren. Ein großer Teil dieser präventiven Arbeit besteht darin, die Athletinnen und Athleten im konditionellen Bereich so gut es geht auf die Belastungen auf den Skiern vorzubereiten. Hierbei befindet man sich stets auf einem sehr schmalen Grat zwischen dem Aufbau einer entsprechenden Belastungsverträglichkeit und einer möglichen Überbelastung. Hier ist der ständige Austausch zwischen dem Athleten/der Athletin und dem Trainer der wesentliche Schlüssel zum Erfolg. Durch unsere enge Kooperation mit unserem Physiotherapeuten im Haus, Philipp Gebhart, der Sporttherapie Huber und Mair, sowie dem Ärzteteam der Sport- und Gelenkchirurgie „Gelenkpunkt“ ist über die letzten Jahre ein sehr großes Knowhow entstanden. Da es trotz aller akribischer Arbeit immer wieder zu Verletzungen kommt, ist während der letzten Jahre ein Leitfaden zur Rehabilitation von Kreuzbandverletzungen entstanden, anhand dem wir versuchen, unsere verletzten Athletinnen und Athleten bestmöglich zu therapieren und anschließend wieder in das Wettkampftraining zu integrieren. Dieses Reha-Konzept steht nicht nur den in Innsbruck akkreditierten Athletinnen und Athleten zur Verfügung, sondern wird zukünftig im Zuge des „RETURN2WIN“ Konzepts, welches in Zusammenarbeit mit der Sport- und Gelenkchirurgie „Gelenkpunkt“, der Sporttherapie Huber und Mair und dem österreichischen Skiverband ins Leben gerufen wurde, sämtlichen ÖSV Athletinnen und Athleten zugängig gemacht.

Durch verschiedene Kooperationen ist hier sehr fundiertes Knowhow zu Knieverletzungen entstanden. Dies betrifft in erster Linie den alpinen Skirennlauf. Besteht die Absicht, in Zukunft auch Rehabilitationsprojekte in anderen Sportarten zu starten?

Ja es gibt Überlegungen dieses Angebot auch in anderen Bereichen anzubieten. Es gibt Verbände, die an uns herangetreten sind und angefragt haben, ob es möglich ist, ihre AthletInnen während ihrer Reha-Zeit im Olympiazentrum betreuen zu lassen, da verbandsintern oft nicht die nötigen Kapazitäten zur Verfügung stehen, um einerseits den täglichen Wettkampf- und Trainingsbetrieb zu betreuen und zeitgleich einer Athletin oder einem Athleten eine entsprechende Betreuung im Zuge der Rehabilitation zu ermöglichen.

Du hattest selbst schon schwere Knieverletzungen und bist neben dem Eishockeyspielen sehr aktiv auf Skiern unterwegs. Hast du das hohe Verletzungsrisiko dieser Sportarten im Hinterkopf?

Ich habe mir einmal beim Skifahren und einmal beim Fußballspielen das vordere Kreuzband gerissen. Durch diese Verletzungen weiß ich auch in gewisser Weise, was in der Phase nach einer Verletzung auf die Athletinnen und Athleten zukommt. Mich persönlich beeinflusst das aber nicht wirklich in meinem Handeln im Sport. Beim Skifahren komme ich aber schon hin und wieder in Situationen, in denen ich mir im Nachhinein denke: „Puh, das war knapp“. Aber sobald wiederholt der Gedanke aufkommt, dass das, was ich hier mache, gefährlich ist und ich mich unter Umständen dabei verletzen könnte, muss ich damit aufhören. Denn dann fehlt mir die letzte Konsequenz in meinem Handeln und das Verletzungsrisiko würde dadurch extrem ansteigen.

Ist es für dich leicht, das Berufliche vom Privaten zu trennen oder beschäftigen dich solche schwierigen Situationen, in denen sich die SportlerInnen nach einer Verletzung befinden, auch in deiner Freizeit?

Generell ist es in unserem Job schwierig abzugrenzen, was ist Beruf und was ist privat. Als Trainer stehe ich meinen Athletinnen und Athleten im Grunde 24/7 zur Verfügung. Das ist jetzt natürlich überspitzt formuliert, aber mit deinen Gedanken und Überlegungen bist du im Grunde von morgens bis abends bei deinen Jungs und Mädels und überlegst, wie du sie weiterbringen kannst. Wenn du dann von Verletzungen deiner Athletinnen und Athleten erfährst, dann berührt dich das natürlich auch emotional, da du zu ihnen über die Jahre der gemeinsamen Arbeit natürlich ein sehr enges Verhältnis aufbaust (viele von ihnen sehe ich vermutlich öfter als meine Frau ;-)), dennoch ist es wichtig, ihnen gerade in diesen Situationen das Gefühl zu geben, dass eine Verletzung nicht das Ende der Welt bedeutet. Ich versuche dann sehr schnell auf die sachliche Ebene zurück zu kommen und plane die ersten Schritte des Reha-Prozesses mit ihnen. Auf diesem Weg möchte ich ihnen das Gefühl vermitteln, dass wir auf solche Situationen vorbereitet sind und sie sich zu 100% darauf verlassen können, dass wir gemeinsam den Weg zurück finden werden. Ein oft verwendeter Spruch von mir lautet: „Die aktuelle Situation ändert nichts an dem, wo wir in ein paar Jahren sein wollen“. Soll heißen: nur weil du dich jetzt verletzt hast, heißt das nicht, dass du nicht 2022 in Beijing eine olympische Medaille holen kannst. Da ich mit sehr vielen jungen Athletinnen und Athleten arbeite, ist es wichtig, dass sie auf Grund einer Verletzung nicht den Blick auf ihre langfristigen Ziele verlieren.

Was ist deine Meinung zum hohen Verletzungsrisiko im alpinen Skirennsport? Wo kann man ansetzen?

Dieses Thema ist natürlich auch bei uns im Haus ein viel diskutiertes. Vor allem wenn es Athletinnen und Athleten betrifft, die von uns betreut werden. Meistens werden dann nochmals alle leistungsdiagnostischen und sportmedizinischen Testergebnisse der letzten Jahre herausgeholt und man schaut nochmals genau, ob man vorab nicht doch irgendetwas übersehen hat. Zweifel an der eigenen Arbeit treten häufiger auf, als man das vielleicht oft zugeben mag. Nüchtern betrachtet ist aber oft festzustellen, dass das sportmedizinische und sportmotorische Leistungsprofil der Verletzten unauffällig ist. Unauffällig bedeutet gut, denn dann sind keine großen Schwachstellen bzw. Defizite zu erkennen. Die körperlichen Voraussetzungen sind im Spannungsfeld der Risikofaktoren aber nur ein kleiner Bestandteil. Die Analyse dieser Faktoren gestaltet sich wesentlich komplexer als man auf den ersten Blick glauben mag. Themen wie Material, Pistenbeschaffenheit, Reisestrapazen, Rennkalender, Ermüdung oder psychologische Faktoren tragen alle ihren Teil dazu bei. Demnach ist es schwer fest zu machen, wo der sprichwörtliche Hund begraben liegt. Definitiv ist es die Summe aus vielen Kleinigkeiten, die unterm Strich nicht mehr bewältigbar sind.

Im Olympiazentrum gibt es sehr fortschrittliche Trainings- und Messgeräte, die es ermöglichen, eine Vielzahl an Daten und Parametern zu bestimmen. Was ist deine Meinung dazu?

Grundsätzlich habe ich meine Grundidee, wie ein Training aussehen sollte. Hier verfolge ich die Philosophie: Keep it simple! Mache zunächst deine Hausaufgaben und festige deine Basics. „Keep it simple“ darf aber nicht mit „nicht fortschrittlich“ verwechselt werden. Die Anwendung moderner Trainings- und Messgeräte ermöglicht es uns, Dinge die wir häufig glauben, mit dem freien Auge qualitativ beurteilen zu können, quantitativ zu erfassen. Das ermöglicht uns, effektiv zu arbeiten. Effektivität darf dabei nicht mit Effizienz verwechselt werden. Effizienz bedeutet, sich beispielsweise eine Technik anzueignen, um eine Leiter schnellstmöglich hochklettern zu können, um einen Apfel vom Baum zu pflücken. Effektivität bedeutet, die Leiter an den Apfelbaum zu lehnen und nicht an den Kastanienbaum.

In welchem Stadium der Reha befinden sich Stephanie, Bernadette und Dominik?  Was sind die nächsten Schritte?

Stephanie Brunner erlitt nach ihrem sehr erfolgreichen Comeback im Herbst des vergangenen Jahres im Jänner leider neuerlich einen Riss des linken vorderen Kreuzbandes. Stephanie hat durch die vorhergegangene Knieverletzung sehr viel gelernt. Sie weiß nun, dass Dinge nicht von heute auf morgen passieren können, sondern dass sie Zeit brauchen. Durch ihre sehr gelassene Art, an diesen Reha-Prozess heranzugehen, hat sie bereits in den ersten Wochen sehr große Fortschritte erzielt. Im Grunde sind wir im Trainingsprozess kaum noch eingeschränkt.

Bernadette Lorenz hat sich im Jänner das vordere Kreuzband auf der rechten Seite eingerissen. Nach einer 6-wöchigen Reha-Phase und einer anschließenden Leistungsdiagnostik wurde sie für das Rennfahren freigegeben. Nach wenigen Tagen auf Schnee brach sie den Comeback-Versuch jedoch ab, da sind nicht die 100%ige Stabilität verspürte, die es für das rennmäßige Skifahren braucht. Sie beendete daraufhin die Saison. Beim Freifahren riss sie sich wenige Tage später auf der linken Seite das vordere Kreuzband. Um die entsprechende Stabilität auf beiden Knien zu gewährleisten, wurde vor wenigen Tagen entschieden, dass sie im Zuge des Reha-Prozesses auch noch das eingerissene Kreuzband auf der rechten Seite operieren lässt. Somit stehen uns in den nächsten Wochen und Monaten die Rehabilitation von zwei operierten Knien bevor.

Dominik Raschner riss sich knapp vor Weihnachten zum ersten Mal das Kreuzband. Er ist in einem bislang komplikationslosen Reha-Verlauf schon sehr weit. Er ist ähnlich wie Stephi im konditionellen Bereich praktisch nicht mehr eingeschränkt. Wir befinden uns hier quasi auf der Zielgerade der Reha. Der Einstieg in das Schneetraining im Juli gilt zum jetzigen Zeitpunkt als sicher.

I

Autor dieses Blogposts → DANIEL SAFFERTMÜLLER, Praktikant: „Mein Name ist Daniel Saffertmüller und ich absolviere aktuell im Zuge meiner Ausbildung (Sports Equipment Technology – FH Technikum Wien) mein Berufspraktikum im Campus Sport Tirol Innsbruck – Olympiazentrum. In einem Interview befragte ich Roland zum Trainer-Dasein am Olympiazentrum, zu seinen persönlichen Erfahrungen mit Verletzungen und zum hohen Verletzungsrisiko im alpinen Skirennsport.i

© Bilder: Olympiazentrum Tirol

WM-Fieber

Nach einer fesselnden Kletter-WM, folgten in der vergangenen Woche die diesjährigen „UCI Road World Championships“ und erweckten die Straßen von Innsbruck/Tirol zum Leben. Immer an der Strecke anfeuernd mit dabei Lukas Höllrigl, MSc Training & Leistungsdiagnostik, der uns heute erzählt, wie er die Rad-WM miterlebt hat. Katharina Kreidl, die Brüder Mario, Florian und Patrick Gamper, Markus Wildauer und Benjamin Brkic hielten die Fahne des Olympiazentrum Tirol bei diesen Weltmeisterschaften hoch.

 

Lieber Lukas…

Wie war die Stimmung in Innsbruck – Tirol während dieser WM?
Die Stimmung war unglaublich gut. Das Ganze hat sich im Laufe der Woche phänomenal entwickelt. Schön war natürlich auch, dass auch die Nachwuchsklassen (Junioren und U23) diese Stimmung genießen durften. Der Radsport ist eine der wenigen Sportarten, bei denen die WM der Nachwuchs Klassen und der Elite im Zuge einer Veranstaltung abgehalten wird.

 

Wärst du dafür, dass solche Sportveranstaltungen öfters in Innsbruck – Tirol stattfinden?
Ich denke die Frage stellt sich nicht, im Winter startet die nordische WM in Seefeld und ich finde das großartig. Die WM der Kletterer war natürlich auch Spitze.

 

Hat deiner Meinung nach Innsbruck – Tirol von diesem Großereignis profitieren können?
Das ist für mich schwer abschätzbar, aber wenn ich mir die unglaublich schönen Bilder ansehe, die uns dieses Event beschert hat, dann ist das für mich durchaus vorstellbar. Mit Sicherheit profitiert hat allerdings der Radsport in unserem Land, und das freut mich natürlich sehr.

 

Wie hast du diese WM mitverfolgt?
Ich war beim Mannschaftszeitfahren, beim Zeitfahren der Herren U23 und Damen Elite und bei den Straßenrennen der U23, Damen und der Herren.Es war mir wichtig direkt an der Strecke zu stehen, auch um „meine“ Athleten und Athletinnen anzufeuern.

 

Welcher Bewerb war für dich am Spannendsten?
Das ist schwer zu sagen, es hat sehr viele spannende Momente für mich gegeben. Ein kleines Highlight für mich war das Mannschaftszeitfahren gleich zu Beginn. Bei so einem Mannschaftszeitfahren kann sehr viel schief gehen, wenn du schlechte Beine hast, wirst du eine unglaublich schwere Stunde erleben. Aber die Jungs vom Tirol Cycling Team haben das Spitze gemacht.

 

Wer war dein Favorit für das Straßenrennen Elite Herren?
Da wir schon lange keine WM mehr auf einem derartig bergigen Kurs erlebt haben, war das schwer einzuschätzen. Einen Valverde musste man wegen seines Palmarès natürlich auf dem Schirm haben. Aber ich hätte eher auf einen kletterfesten Kassikerspezialisten wie Van Avermaet oder Tom Dumoulin getippt.

 

Welche Erfolge durften deine Athleten und Athletinnen feiern?
Ich möchte hier keinen einzelnen hervorheben, aber was ich sagen kann ist, dass alle mit den jeweiligen Leistungen zufrieden sein können. Wir arbeiten am OZ großteiles mit jungen Radsportlern, vorwiegend in der U23 Kategorie und hier ist die Entwicklung über die letzten zwei Jahre großartig. Da ist eine einzelne WM Platzierung für mich als Coach eher sekundär. Gefeiert haben bei diesem großen Radsport-Fest hoffentlich alle!

 

Ist man auf sich selbst auch stolz, wenn ein Athlet Erfolg feiern darf?
Natürlich, auch wenn man nicht nur stolz über messbaren Erfolg ist. So freut es mich riesig, wenn sich junge Sportler wie bereits erwähnt, positiv entwickeln und man weiß, dass man einen kleinen Teil dazu beitragen hat.

 

Wie fühlt man sich als Trainer, wenn ein Athlet mit seiner eigenen Leistung nicht zufrieden ist?
Das ist natürlich keine angenehme Situation, aber speziell in solchen Momenten ist es wichtig, dass man als Coach viel Zuversicht und Ruhe ausstrahlt. Ein Athlet dessen Trainer den Kopf in den Sand steckt wird eine Krise schwer überwinden.

 

Nun zu dir…Welche Sportarten bereiten dir besonders Freude?
Hauptsache sie sind ausdauernd und finden draußen statt, im Idealfall am Berg! Da gibt es für mich natürlich das Radfahren (auf welchem Rad auch immer), Berglaufen, Skibergsteigen uvm.

 

Woher kommt deine Begeisterung für den Sport?
Für‘s still sitzen hatte ich noch nie Begeisterung. Aber grundsätzlich ist das wohl wie so häufig familiär bedingt, Bewegung wurde in meiner Familie immer schon groß geschrieben.

 

Nimmst du selbst an Wettkämpfen teil?
Das gestaltet sich eher in Phasen, mal mehr mal weniger. Die letzten Jahre habe ich diesbezüglich „eher weniger“ gemacht. In diesem Sommer habe ich einige Bergläufe hinter mich gebracht.

 

Auf welche eigene sportliche Leistung bist du besonders stolz?
Ich glaube am meisten stolz kann ich darauf sein, dass ich aus Misserfolgen gelernt habe und diese so gut wie möglich bei meinen Athleten vermeide. Auf meine eigene Leistung bin ich immer dann stolz, wenn ich merke, dass ich im Training etwas richtig gemacht habe.

 

Wo findet man dich, wenn nicht hier im Olympiazentrum?
Wahrscheinlich am Berg. Oder ich unterrichte gerade am AZW die angehenden Gesundheitstrainer/innen in der Trainingslehre.

 

Wie sieht so ein Arbeitstag bei dir im Olympiazentrum aus?
Wenn Sportler zum Athletiktraining vor Ort sind, coache ich diese direkt im Kraftraum. Ansonsten werden zukünftige Einheiten geplant, oder noch viel wichtiger vergangene Trainings analysiert. Speziell im Radsport werden Trainings und Rennen sehr umfangreich dokumentiert, Florian Gampers Mannschaftszeitfahren letzten Sonntag lieferte beispielsweise 43 800 Datenpunkte die von seinem Powermeter aufgezeichnet wurden. Da kann natürlich viel analysiert werden.

 

Wie ist das als Trainer, schreibst du deine eigenen Trainingspläne selbst oder vertraust du da auf das Know-How von wem Anderen?
Großteils mache ich das selbst, wobei externer Input natürlich immer gern gehört und evtl. auch ausprobiert wird!

 

Wie unterscheidet sich die eigene Trainingsplanung von der der potentiellen Olympiaathleten?
Die eigene Planung verläuft mehr nach Gefühl, von Tag zu Tag. Es gibt da nur so einen groben Leitfaden, den ich mir gedanklich zurechtlege. Bei den Athleten verläuft das natürlich viel strukturierter, aber das ist ja auch deren Job, bei mir geht es um Freizeitgestaltung.

 

AutorInnen des heutigen Blogposts→ Lisa Totschnig, Praktikantin, 22 Jahre aus Tirol, studiert in Wien im Bachelor Ernährungswissenschaften & Sportwissenschaft. Sarah Schallau, Praktikantin, 26 Jahre aus Hessen, studiert in München im Master “Diagnostics and Training“. Frederik Krassnitzer, Praktikant, 25 Jahre aus Vorarlberg, studiert in Wien im Bachelor Sportwissenschaft.

I
© Bilder: Olympiazentrum Tirol

Ups and Downs 2o18

Heute erzählt uns Pia Totschnig von ihrer vergangen Saison, von ihren Erfolgen die sie feiern durfte und von all den Hindernissen die sie heuer zu überwinden hatte. Ihre Schwester, Lisa Totschnig, derzeit Praktikantin hier im Olympiazentrum, ermöglicht uns diese Einblicke und schildert uns die Hintergründe zu den „Ups and Downs“ der Nachwuchstriathletin.

 

Pia Totschnig – Triathletin, 18 Jahre, Erfolge: 3x Top10 Junioren Europacups (2018), Bronze Jugend Europameisterschaft und 3x Top10 Junioren Europacups (2017), Olympiazentrum-Coach: Antonio 

 

Diese Saison musstest du mehrere Hürden überwinden. Dein Fokus lag nicht ausschließlich beim Sport, welche zusätzlichen Aufgaben musstest du während der Wettkampfsaison meistern?
Das stimmt, es war eine Saison mit vielen Höhen und Tiefen und vor allem einigen Veränderungen. Insbesondere zu Beginn der Saison lag der Fokus auf Schule und Matura, was sich auch an meiner Leistung zeigte.

 

Die Saison 2018 hat etwas holprig begonnen, mit welchem Ergebnis bist du in die Saison gestartet und wann ging es wieder bergauf?
Anfangs der Saison konnte ich mit einem 5ten Platz bei der Staatsmeisterschaft und einem knappen Finaleinzug beim Europacup in Kitzbühel nicht die gewünschte Form zeigen. Sobald die Schule abgeschlossen war, ging es dann auch im Sport wieder bergauf. 

 

Auch dich hat die Matura etwas mehr aus der Bahn geworfen als wir alle erwartet haben. Wann ist die ganze Anspannung abgefallen?
Die letzte Prüfung die bevorstand war Chemie, mündlich. Da war es dann wirklich Zeit, dass es ein Ende nahm. Als ich das Klassenzimmer verlassen hatte, war ich schon ziemlich erleichtert. Als ich dann erfahren hatte, dass ich mit einer 1 diese letzte Prüfung abgeschlossen hatte, ist dann noch die restliche Anspannung verflogen.

 

Wie ging es dann weiter nach dem erfolgreichen Abschluss der Matura? 
Beim Europacup Tiszjauvaros konnte ich mir im Semifinale mit einem 1.Platz souverän den Finaleinzug sichern. Im Finale sprang für mich dann ein 7ter Platz heraus!
Zu meinem Glück wurde ich für die Junioren EM nachnominiert und durfte wenige Wochen später nach Tartu fliegen. Im Teambewerb konnten wir uns den 8ten Platz holen. Im Einzelstart hatte ich eine Teamorder zu befolgen, leider lief es für mich nicht wie erhofft und es sprang nur ein 28ter Platz heraus. Somit platze auch der Traum von der Weltmeisterschaft in Australien, Gold Coast.

 

Das Glück lag diese Saison nicht immer auf deiner Seite, welche Steine wurden dir in deinen Weg gelegt?
Zwei Wochen später hatte ich eine neue Chance meine Form zu beweisen und startete beim Europacup in Riga. Nach einer 12 Stunden verzögerten Anreise erreichte mich zudem die Nachricht, dass mein Rad nicht mit an Bord war. Ein Plan B musste schnellstmöglichst her. Ein Teamkollege erklärte sich bereit, mir sein Rad zu leihen und zugleich das Risiko einzugehen eventuell selbst nicht an den Start gehen zu können. Da bei diesen Wetterverhältnissen die Sturzgefahr nicht zu unterschätzen war, zudem mit nicht angepasstem Rad (zu große Rahmengröße, nicht passende Sattelhöhe). Als für mich dann noch ein 5ter Platz bei diesen Bedingungen herausschaute war die Freude groß. 
(#friendshipispriceless vielen Dank nochmals #youareamazing)

 

Österreichischer Dreifacherfolg bei einem Europacup, sowas gab es zuvor noch nie. Wie ist es dazu gekommen?
Ein weiteres Highlight dieser Saison war definitiv der österreichische Dreifacherfolg beim Europacup in Tulcea. Gemeinsam mit zwei Teamkolleginnen konnten wir aus der Gruppe am Rad ausreißen und uns einen Vorsprung sichern. Wer auf welchem Treppchen stehen wird, wurde erst beim Lauf entschieden, nur eines war sicher: Gold, Silber und Bronze wird an Österreich gehen. Mit einer starken Laufperformance konnte ich mir dann den Sieg souverän sichern. 

 

Der Saisonabschluss ist ebenfalls nicht wie geplant verlaufen, was war da los?
Zum Saisonsabschluss stand noch ein Grand Prix Rennen in Frankreich an, jedoch musste das Rennen aufgrund der Wetterbedingungen abgesagt werden. Nicht nur der Wellengang machte das Schwimmen unmöglich, sondern auch die Windböen das Radfahren zu gefährlich. Die Anreise war jedoch nicht ganz umsonst, es ist einfach immer wieder eine tolle Erfahrung auf große Vorbilder bei solchen Bewerben zu treffen.

 

Was sind nun deine Pläne nach der Matura?
Am 1. Oktober beginnt die Grundausbildung für das Heeressport. Ab sofort kann ich mich voll und ganz auf den Sport konzentrieren und meine Leidenschaft zum Beruf machen.  Seit Jahren träume ich von diesem Weg, nun ist es endlich so weit. Ich werde alles geben um nächstes Jahr bestens vorbereitet in die Saison starten zu können. #keepyourfingerscrossed 

 

Möchtest du dich noch bei wem bedanken, wer steckt aller hinter deiner Leistung?
Dazu tragen einige Personen bei. Insbesondere meine Familie die mich durchgehend unterstützt. Mein Papa begleitet mich fast bei jedem Rennen, egal wohin die Reise geht. Meine Mama leistet wundervolle Arbeit, sie tut einfach alles für mich. Und auch du, meine Schwester, unterstützst mich wo du nur kannst, danke. Aber genauso wäre all dies ohne meine Sponsoren nicht möglich und natürlich geht auch ein großes Dankeschön an meinen Trainer Ralf und an alle anderen Trainer die mich auf diesen Weg unterstützen. 
In diesem Sinne möchte ich mich auch beim gesamten Team vom Olympiazentrum bedanken, eure umfassende Betreuung und die Flexibilität ist eine großartige Unterstützung.

 

I
Autorin des heutigen Blogposts -> Lisa Totschnig, Praktikantin, 22 Jahre aus Tirol, studiert in Wien im Bachelor Ernährungswissenschaften & Sportwissenschaft.
I
© Bilder: m kreo zilinsky triathlon / Olympiazentrum Tirol