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Die Medaillenschmiede der Tiroler Spitzensportler

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November 3, 2016

Innsbruck – Betonoptik, ein düster und eng wirkender Gang, eine Umkleidekabine, wie sie jede Tiroler Volksschule hat. Wären da nicht die Fotos von Athleten mit Medaillen um den Hals, das Olympiazentrum Tirol am Gelände des Universitätssportinstituts Innsbruck wäre kaum als solches auszumachen. Aber genau hier, unter der Tribüne eines Leichtathletikstadions, trimmen die besten Sportler des Landes ihre Körper, gehen an ihre Grenzen. „Das Zentrum wirkt von außen eher unscheinbar“, gesteht Leiter Christian Raschner bei der Führung durch das Olympia-Gemäuer. Schmuckstück sei der 180 Quadratmeter große Kraftraum. „Die Sportler trainieren gerne hier, weil es nicht wie in einem Fitnessstudio, sondern mehr wie in einer Lagerhalle aussieht.“

Eine Reduktion auf das Minimum, um das Maximum aus jedem der 70 Sportler herauszuholen. So könnte man die Philosophie der Trainingsstätte, die von ÖOC, Land Tirol, Stadt Innsbruck und Universität Innsbruck getragen wird, beschreiben. Man setzt auf „Rundumbetreuung“: Fünf Trainer, zwei Physiotherapeuten, eine Ernährungswissenschafterin und ein Sportpsychologe sowie zwei Mitarbeiter in der Talentforschung und Leistungsdiagnostik sind beschäftigt. „Wir wollen mit dem Sportler gemeinsam Ziele verwirklichen. Dafür übernehmen wir die Verantwortung in der Trainingsplanung und Umsetzung“, erklärt Raschner den seit 2011 eingeschlagenen Weg. Im Wettstreit mit anderen Leistungszentren, etwa jenen in Salzburg, Vorarlberg oder Kärnten, sei man nicht. Innsbruck habe aufgrund der engen Zusammenarbeit mit Sportwissenschaftern einen ausgezeichneten Ruf. „Wir haben sehr gute Leute“, meint Raschner.

Doch wer darf überhaupt im Olympiazentrum trainieren? Wenn ein Sportverband Potenzial in einem Athleten sieht, werde ein Antrag auf Aufnahme gestellt. Der Beirat des Olympiazentrums behandelt das Ansuchen und entscheidet. Wer die Eintrittshürde schafft, bekommt eine Rundumbetreuung durch Coaching und Physiotherapie, für die pro Athlet rund 15.000 Euro veranschlagt sind. „Jeder Sportler zahlt einen Selbstbehalt von 500 Euro im Jahr“, sagt Raschner.

Weil die Trainer ihre Schützlinge über Jahre hinweg begleiten, baut sich ein großes Vertrauensverhältnis auf, sagt Trainer Christoph Ebenbichler, der etwa Skisprung-Star Gregor Schlierenzauer oder einige Alpin-Damen unter seinen Fittichen hat. Während Skeleton-Pilotin Janine Flock den Ruf als „Streberin“ hat und sich meist schon um 7.30 Uhr in der Früh in der Kraftkammer austobt, geht es Snowboarder Philipp Kundratitz auch mal gemütlich an. „Es kann schon vorkommen, dass er erst um 10.30 Uhr kommt. Aber jeder hat seinen Rhythmus“, feixt Ebenbichler.

Dass das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Winter- und Sommersportlern annähernd gleich sei, ist für Ebenbichler Beweis, dass man für alle da sei. „Auch Olivia Hofmann trainiert bei uns. Bei den Sportschützen ist Fitness ein wichtiges Thema.“ Im Kraftraum, der zu gewissen Zeiten aus allen Nähten platzt, treffen sich alle. Auch Skisprung-Star Gregor Schlierenzauer arbeitet hier nach seinem Kreuzbandriss am Comeback. „Eine Erweiterung der Räumlichkeiten ist unser Ziel“, sagt Christian Raschner. Dafür brauche es aber einen finanziellen Kraftakt.

 

© tt.com, Benjamin Kiechl