Sustainable Sports Program for Refugees

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Seit Herbst 2015 wird Europa durch eine große neue Herausforderung auf die Probe gestellt: Die Flüchtlingskrise. Nicht nur die einzelnen europäischen Länder, sondern auch viele gemeinnützige und international tätige Organisationen, Vereine und Institutionen stoßen seither zum Teil an die Grenzen ihrer Kapazitäten und Möglichkeiten. Es ist eine Zeit, geprägt sowohl von Differenzen und Kritik, als auch von Akzeptanz und Engagement. Denn jede Herausforderung bringt neue Chancen mit sich. So hat sich das Internationale Olympische Comité (IOC) dazu entschlossen, einen humanitären Beitrag zu leisten. Daher wurde ein Hilfsfonds in der Höhe von umgerechnet 1,78 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. IOC-Präsident Thomas Bach sagte: „Wir sind alle sehr berührt von diesen schrecklichen Nachrichten und emotionalen Schicksalen der letzten Tage. Der Sport und die olympische Bewegung wollen ihren Teil dazu beitragen, humanitäre Hilfe zu den Flüchtlingen zu bringen.“ Das Österreichische Olympische Comité, als nationales Triebwerk des Österreichischen Spitzensports, bekam im Herbst 2015 die Zusage über finanzielle Mittel zur zweckgebundenen Verwendung im Sinne des IOC. Ein gut überlegter Projektantrag zum Thema Sport und Integration war ausschlaggebend für die Zusage. Neben 14 weiteren nationalen „OKs“ kann Österreich nun die Hilfe auf schnellstem Weg dahin bringen, wo sie am dringendsten gebraucht wird. „Sport kann dazu beitragen, den Menschen neue Hoffnung zu geben und die Integration der Flüchtlinge in ihrer neuen Heimat zu erleichtern“, so Thomas Bach.

Seit Jänner 2016 sind fünf Olympiazentren Österreichs für die Umsetzung zuständig. Planung und Organisation laufen seither auf Hochtouren, Netzwerken steht auf der Tagesordnung, natürlich auch im Olympiazentrum Innsbruck. Ziel des Projekts ist es vor allem, minderjährige unbegleitete AsylwerberInnen und anerkannte Flüchtlinge durch den Sport zu integrieren und geeignete Voraussetzungen zu schaffen, um dies auch langfristig zu ermöglichen. Dabei ist uns besonders wichtig, dass gelebte
Integration stattfinden kann. Hauptaugenmerk liegt daher weniger bei einmaligen Veranstaltungen, oder speziellen Trainingseinheiten nur für AsylwerberInnen, sondern es soll eine nachhaltige Lösung für integrative Maßnahmen geschaffen werden. Ein breit ausgelegtes Netzwerk zwischen den drei Tiroler Dachverbänden, Sportvereinen, gemeinnützigen Vereinen, Asylwerberheimen und deren BetreuernInnen, Initiativen zu den Themen Sport oder Integration und vielen weiteren, spielt dabei die tragende Rolle.

Das Olympiazentrum Innsbruck hat bereits einige Maßnahmen gesetzt, um die oben genannten Ziele zu erreichen und Integration stattfinden zu lassen. Schwimmkurse für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sollen die Freizeitgestaltung im Sommer erleichtern, und zudem das Sicherheitsgefühl und Selbstbewusstsein der Jugendlichen stärken. Es finden weiters Judokurse für die Förderung von Bewegung und Koordination von Kindern im Volksschulalter statt. Viele der AsylwerberInnen sind sportbegeistert und talentiert. Das Olympiazentrum fördert diese Personen und übernimmt die Vermittlung zwischen den Vereinen und zukünftigen SportlernInnen. Es gibt in Tirol Sportvereine, die bereits Flüchtlinge aufgenommen haben und somit wertvolle Integrationsarbeit leisten. Sie werden von uns im Rahmen der Projektmöglichkeiten unterstützt. Zudem sind wir laufend im Gespräch mit den Verantwortlichen in den Heimen, mit FunktionärenInnen von Vereinen, freiwilligen HelfernInnen und den Dachverbänden, um die besten Lösungen gemeinsam zu erarbeiten.

Der Schlüssel ist die Integration. In Tirol leben momentan 6238 AsylwerberInnen in Heimen und Privatunterkünften (Stand 28.04.2016, tsd.gv.at), betreut durch die Tiroler Sozialen Dienste. Dem Stereotyp „AsylwerberIn“, ohne Arbeit, wenig sozialen Kontakten nach außen und geringen Deutschkenntnissen, fällt die Eingliederung in die Gesellschaft oft schwer. Integration lässt Stereotypen verschwinden, sie macht daraus Kollegen, FreundeInnen, MitspielerInnen, TrainingspartnerInnen oder KonkurrentenInnen im Wettkampf. Der Sport kann maßgeblich dazu beitragen, denn er wird als internationale Sprache verstanden – es wird weltweit nach denselben Regeln gespielt. Hier können kulturelle Unterschiede überwunden, ein spielerischer Zugang zur Sprache und eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung geboten werden. Im Sport geht es nicht nur um das körperliche Wohlbefinden, sondern auch um Fairness, die Beachtung von Regeln, die Vermittlung von Werten und Normen der Gesellschaft. Es geht aber auch um Spaß und gemeinsame Aktivität, soziale Kontakte zu knüpfen, um Gewinnen und Verlieren, sich zugehörig und im Team integriert fühlen.

von Vera Jäger