Super Platzierung für Anna bei der online Europameisterschaft im Taekwondo

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Auch im Leistungssport blieben einige Umstrukturierungen in Folge des Coronavirus nicht aus. Der europäische Taekwondo Verband reagierte gekonnt auf die neuartige Situation und ermöglichte die Austragung einer offenen Europameisterschaft im Poomsae (Formenlauf) mit über 1200 TeilnehmerInnen aus 75 verschiedenen Ländern. Dabei wurden die Technikdisziplinen gefilmt und anschließend von den Kampfrichtern bewertet. Anna Schneeberger konnte sich dabei den 20. Platz in der allgemeinen Klasse sichern – eine großartige Leistung bei einem Teilnehmerfeld von über 110 Sportlerinnen aus 42 Nationen.

 

Anna, du hast erfolgreich an dieser neuen Form der Europameisterschaft teilgenommen. Wie hast du die Teilnahme selbst erlebt?

Es war eine sehr interessante Erfahrung, etwas komplett Neues. Man konnte sich seine eigene Location basteln und war nicht an den üblichen Turniermodus gebunden. Das bekannte Turniergefühl war schon nicht ganz so ausgeprägt, aber gerade dadurch war es auch echt spaßig – wir haben zumindest voll die Gaudi gehabt, auch wenn es ein sehr anstrengender Tag war.

Wie genau lief diese Online-Europameisterschaft ab?

Wir haben eine Deadline bekommen, zu der wir Videos auf YouTube hochladen mussten. Insgesamt hatten wir 24 Stunden Zeit sechs Formen am Stück vor laufender Kamera durchzuführen. Auch während der Pausen mussten wir im Bild bleiben. Dann wurden die Videos von Kampfrichtern angeschaut und bewertet. Dies wurde live übertragen, so dass wir die Bewertung entspannt vor dem Fernseher anschauen konnten. Wobei so entspannt war es dann doch nicht, ich war schon sehr angespannt, als es dann zu meiner Bewertung kam und meine ganze Familie hat mitgefiebert.

An dieser Stelle auch von uns noch einmal herzlichen Glückwunsch zu deiner großartigen Platzierung. Waren die Emotionen insbesondere nach deinem Erfolg dieselben?

Es war schon anders, als wenn man direkt auf der Matte steht. Vor allem war diesmal ein größerer zeitlicher Abstand zwischen der erbrachten Leistung und der Bewertung. Dadurch war alles schon so fix, man hatte es nicht mehr in der Hand und konnte keinen Einfluss mehr nehmen. Die Freude über den Erfolg war aber auf jeden Fall riesig!

In deinem Video sieht man zwischendurch Jemanden den Rasen mähen. Was hat es damit auf sich?

Mein Trainer hatte die Idee mit den Videos einen Wiedererkennungswert für die nächsten Turniere zu schaffen. Unser Ziel war es, dass die Videos im Kopf bleiben und ich auf den nächsten Turnieren mit ihnen assoziiert werden. Wir haben also gewissermaßen versucht die Videos zur Vermarktung zu nutzen und haben uns deshalb Gedanken über die Location gemacht und Flaggen aufgehängt. Mein Trainer hatte dann noch die witzige Idee mit der lustige Pausengestaltung zwischen den Formläufen. Das hat sehr gut funktioniert, auch wenn die Pausen zum Teil zu witzig waren, weil ich mich ja noch auf meine nächste Runde konzentrieren musste.

Was sind aus deiner Sicht die Vor- und Nachteile einer solchen online Veranstaltung?

Ein Vorteil ist auf jeden Fall, dass man sich selbst und auch allen anderen zuschauen kann. Bei den Turnieren ist man oftmals so auf sich konzentriert und fokussiert, dass man nur wenig von den anderen mitbekommt. Diesmal konnte man echt alle Leistungen in Ruhe anschauen und auch würdigen.

Siehst du Potential in dieser Wettkampfsform?

Ja, diese online Veranstaltung wurde ja zumindest sehr gut angenommen. Zuerst hatten die Veranstalter Sorge, es würden auf Grund der besonderen Veranstaltungsart zu wenig Teilnehmer geben und ließen deshalb AthletInnen aus allen Nationen zu. Tatsächlich ist aber das Gegenteil eingetreten. Die online Austragung hat vielen AthletInnen eine Teilnahme überhaupt erst ermöglicht, da sie ansonsten vielleicht nicht die finanziellen Mittel gehabt hätten zum Austragungsort zu reisen. Alle hatten durch diesen leichten Zugang also die gleichen Chancen – viele Talente konnten sich dadurch zeigen!

Wie geht die Saison für dich jetzt weiter? Welche Ziele hast?

Mein Wunsch ist es, bald wieder Wettkämpfe machen zu können. Bei all dem Training gehen einem die Turniere schon ab, irgendwann will man sich auch wieder beweisen. Im Oktober stehen die Staatsmeisterschaften an, auf die freue ich mich schon volle. Das langfristige Ziel bleibt aber eine WM- oder EM-Medaille. Die online-Europameisterschaft war nur ein kleiner Trost für die ausgefallene WM heuer in Dänemark. Sie wird nun auf 2022 verschoben und in Korea stattfinden.

Kannst du dich durch die zeitliche Verzögerung der WM nochmal anders und vielleicht auch besser vorbereiten?

Die gewonnene Zeit kommt mir eigentlich wirklich zugute. Es wäre sicherlich dieses Jahr eine tolle Erfahrung gewesen dabei zu sein, aber bei der nächsten WM kann ich bestimmt noch andere Platzierungen ins Auge fassen, als ich es dieses Jahr gekonnt hätte. Es ist schon ein Jahr was ich dazu geschenkt bekommen habe.

Hier geht’s im Übrigen zu Anna Schneebergers Video: ONLINE EM – Taekwondo – Anna Schneeberger 

Blog by Adele Tietgen