Goldregen

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Perspektivenwechsel – Der Sieg der beiden frisch gebackenen Weltmeister Jessica Pilz und Jakob Schubert aus der Sicht von Antonio Pérez del Río und Hans-Peter Platzer.

Hans-Peter Platzer (Team Rot-Weiß-Rot, Betreuer für den Kletterverband) – Athletin: Jessica Pilz
Antonio Pérez del Río (Training und Leistungsdiagnostik) – Athlet: Jakob Schubert

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Kannst du uns beschreiben, wie die Stimmung vor Ort war?

Hans-Peter – Die Stimmung war unglaublich gut. Aufgrund der Akustik in der Halle war die Geräuschkulisse enorm. Aber auch weil das Kletterpublikum zum fairsten Sportpublikum überhaupt zählt und auch gegnerische AthletInnen lautstark angefeuert werden.

Antonio – It was an amazing night. After the semifinals I received a message from Jakob, in that moment I was convinced that he will give everything on the wall to make history in his hometown. I went alone to Olympiaworld, because I just wanted to enjoy the performance of one of my best athletes and I didn’t want to miss any details of that wonderful evening.

Wie hast du deinen Athleten / deine Athletin vor seinem / ihrem Bewerb erlebt?

Hans-Peter – Sie war sehr angespannt. Durch ihren unbedingten Willen zum Sieg, legt sie sich selbst am meisten Druck auf. 

Antonio – I trained with Jakob one week before and I saw him very eager for showing his best performance to all the people who have seen him climbing since he was a kid.

Wie hast du die Chancen gesehen für 2x Gold bzw. wie haben die beiden Kletterer ihre Chancen selbst eingeschätzt?

Hans-Peter – Die Chancen waren aufgrund der vorherigen Erfolge im Weltcup da, aber dass es 2x Gold wird, konnte man natürlich nur hoffen. Jessica wusste, dass der Sieg nur über Janja oder sie führen wird. 

Antonio – After his performance at the most recent World Cup and how he was feeling before the competition, I always thought that he will be doing something great at the World Championship. He is in a very good shape, and everyone saw it in the final.

Was waren deine ersten Worte nach dem Bewerb zu deinem Athleten?

Antonio – I just had two sentences for him, the first one was “Congrats Jakob, you are the champion!”, and the second one was “World Championship is not yet over for you, keep on working hard!”. 

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Antonio – Nun noch zu dir…
Woher kommst du und was hat dich an Innsbruck so fasziniert, dass du hier geblieben bist?

I come from a warm country, Spain! In my opinion, Innsbruck is a wonderful city in the heart of the alps and if you are a sport lover, you will find awesome sports to practice both in winter and summer. 

Vermisst du manchmal deine Heimat und was vermisst du besonders?

After almost six years in Innsbruck, what I miss the most is my family. I go back home two or three times per year, but nevertheless: there is no place like home. 

Woher kommt deine Begeisterung für den Sport?

I was playing football since I was a kid until I was 23 years old. During my last two years I played semiprofessionally in the 3rd Spanish Division. Afterwards, I focused my career on strength and conditioning coaching mostly focused in individual sports. 

Wo findet man dich, wenn nicht hier im Olympiazentrum?

You will either find me training the Wacker Innsbruck Women Team or lost in the mountains with my bike or snowboard.

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Hans-Peter – Nun noch zu deinen Tätigkeiten für das Team Rot-Weiß-Rot (TRWR)…
Wie sieht so ein Arbeitstag bei dir im Olympiazentrum aus?

Ich bin österreichweit viel unterwegs für Sitzungen mit Verbänden, oder um bei Trainingskursen oder Wettkämpfen dabei zu sein. Aufgrund meiner Tätigkeit verbringe ich aber auch einige Zeit im Büro mit administrativen Aufgaben. 

Was kann man sich unter dem Team Rot-Weiß-Rot vorstellen?

Team Rot-Weiß-Rot (TRWR) ist das Spitzensportförderprogramm des zuständigen Bundesministeriums. Im Rahmen von TRWR werden athletenspezifische Projekte mit Fokus auf die Optimierung der Leistungsfähigkeit der geförderten Athletinnen und Athleten sowie der Verbesserung des Trainingsumfelds unterstützt. Das TRWR wird mit 1.1.2019 in die „Bundes-Sport GmbH“ integriert. 

Was sind deine Tätigkeiten für das Team Rot-Weiß-Rot?

Als Projektbegleiter unterstütze ich die Erstellung von Förderempfehlungen auf Basis von Erfolgs-/Entwicklungsbewertungen der AthletInnen. Werden Projekte genehmigt, begleite ich diese sportwissenschaftlich. Ein Ziel ist es, Erkenntnisse aus der Wissenschaft praxisrelevant aufzuarbeiten und den Verbänden zu vermitteln. Dies war auch der Auslöser für die nunmehr 8-jährige Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Kletterverband (KVÖ). Vor allem in den Bereichen optimale Wettkampfvorbereitung, Ernährung, Trainingsplanung und Verletzungsprävention gab es bisher eine enge Zusammenarbeit mit dem KVÖ. Im Moment arbeiten wir gerade an Strategien für die bestmögliche Akklimatisation/Wettkampfvorbereitung im Hinblick auf Tokio 2020. 

Welche Sportarten bzw. welche SportlerInnen werden vom Team Rot-Weiß-Rot unterstützt?

Im Grunde kann jeder von der BSO anerkannte Bundes-Sportfachverband um eine Spitzensportförderung ansuchen. Entsprechen die AthletInnen den Kriterien, wird eine Förderung zugesprochen. Im Moment betreue ich 145 Projekte mit einem Fördervolumen von rund 2,6 Millionen Euro. 

Welches Großereignis ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

Der Sport ist in der Lage, unglaublich spannende, berührende und auch tragische Geschichten zu schreiben, wobei jene die man live miterleben darf, wohl am eindrucksvollsten sind. Seit meiner Zeit in TRWR gab es zahlreiche besondere Momente im Sport. Zwei dieser Momente waren der Weltmeistertitel von Anna Stöhr 2011 in Arco und der Sieg im Medal Race von Delle Karth/Resch 2012 bei den Olympischen Spielen in London. 

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AutorInnen des heutigen Blogposts → Lisa Totschnig, Praktikantin, 22 Jahre aus Tirol, studiert in Wien im Bachelor Ernährungswissenschaften & Sportwissenschaft. Sarah Schallau, Praktikantin, 26 Jahre aus Hessen, studiert in München im Master “Diagnostics and Training“. Frederik Krassnitzer, Praktikant, 25 Jahre aus Vorarlberg, studiert in Wien im Bachelor Sportwissenschaft.

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© Bilder: GEPA pictures / Olympiazentrum Tirol