Oh Canada

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„It’s not about me“ – entgegen seines Mottos geht es heute doch einmal um unseren kanadischen Import. Hört man eine Mischung aus Englisch und Deutsch mit tiroler Dialekt durch die Gänge hallen, kann Carson Patterson nicht weit sein.

Seit 1994 ist Carson, der in Calgary geboren wurde, bereits in Österreich. Aber gehen wir zunächst einmal ein paar Jahre zurück…

Begonnen hat seine Liebe zum Sport bereits im Kindesalter. Mit 7 Jahren begann Carson im Verein Fußball und (natürlich) Eishockey zu spielen. Im Alter von ca. 12 Jahren kam die Leichtathletik hinzu. Es stellte sich heraus, dass er nicht nur schnell war, sondern dabei auch noch gerne Hindernisse überwand. So wurde Carson 1978 kanadischer Juniorenmeister in 110m Hürden. Und wo sind schnelle junge Männer ebenfalls gerne gesehen? Richtig, auf dem Football- und dem Rugbyfeld. Somit lässt sich auf eine beachtliche und vielseitige aktive sportliche Karriere zurückblicken.

Das Sportstudium an der University of Calgary wurde zunächst aus einer leichten Orientierungslosigkeit aufgenommen. Irgendetwas mit Sport sollte es sein. Vielleicht Sportlehrer… Dieser Wunsch hielt sich nicht lange. Schlussendlich war es ein Professor, welcher Carson erkennen ließ, dass man mit wissenschaftlichen Prinzipien systematisch und erfolgreich trainieren kann und so schloss er seinen Master in Exercise Physiology an der University of Victoria ab. Seine Trainerkarriere startete er mit der Betreuung einer 400m Hürdenläuferin. Seitdem sind einige Jahre Trainererfahrung und die Betreuung verschiedenster Sportler hinzugekommen: Sprinttrainer der Kanadischen Bobnationalmannschaft, Konditionstrainer der Herren (Weltcup Abfahrt) des ÖSV, des Kanadischen Skiverbandes, des Österreichischen Bob- und Skeletonverbandes sowie des Rodelverbandes und des Hockey Clubs Tiroler Wasserkraft. Seit 2001 ist Carson nun Leistungsdiagnostiker und Dozent am Institut für Sportwissenschaft der Uni Innsbruck und hat zudem am Aufbau des trainingswissenschaftlichen Zentrums mitgewirkt. Somit muss wohl kaum mehr erwähnt werden, dass er auch das Campus Sport Tirol Innsbruck – Olympiazentrum mit aus der Wiege gehoben hat und zu dessen stetiger Weiterentwicklung beiträgt. Aktuell trainiert und motiviert Carson 15 Sportler und Sportlerinnen. Man merkt sofort, dass er sehr viel Leidenschaft und Motivation in seine Arbeit steckt. Er selbst sagte einmal, dass er kein 0815-Trainer sei und wenn man ihn in einer Trainingseinheit oder einer Lehrveranstaltung erlebt hat, kann man dieser Aussage nur zustimmen. Ob laut, leise, lachend, fluchend, albernd … der Mix macht’s! 🙂

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WORDRAP „DA SCHAU HER“

Vermisst du etwas aus deiner Heimat?
Platz! Und the big sky.

Was schätzt du an Tirol?
Was ich inzwischen schön finde an Tirol ist, dass die Berge immer da sind. Am Anfang habe ich mich mit ihnen nicht wirklich anfreunden können. Aber du wirst jeden Tag in der Früh mit der Natur konfrontiert und das finde ich sehr schön. Das klingt hetzig als Kanadier, aber ich bin in einer Stadt aufgewachsen und musste ein Stück fahren um in die Natur zu kommen. In Innsbruck kann ich das zu Fuß machen. Ansonsten bestehen große Ähnlichkeiten zwischen Kanada und Tirol, z.B. die Lebensqualität und die offenen und freundlichen Menschen.

Hast du Vorbilder oder Leute, die dich inspiriert haben bzw. inspirieren?
Ian King ist für mich ein großes Vorbild. Wenn es ums Wissen und Wissen umsetzen geht, ist es Charles Poliquin. Ich habe bereits mit ihm gearbeitet und kenne ihn ein bisschen, von ihm kann ich viel lernen. Aber es gibt sehr viele Trainer, bei denen ich denke, dass ich viel von ihnen lernen kann. Inzwischen erkenne ich wirklich das Bedürfnis zu Lernen und nicht zu denken, jetzt weiß ich alles.

Was begeistert dich an deinem Beruf am meisten?
Entweder kannst du es oder nicht. Die Uhr lügt nicht. Du kannst z.B. wirklich sagen, dass du der/die Beste in deiner Sportart bist, wenn die Leistung messbar ist. Usain Bolt kann beispielsweise tatsächlich behaupten, dass er der schnellste Mensch der Welt ist. Das ist in der Kunst oder der Musik nicht möglich. Auch, dass man sich nicht nur mit anderen messen kann, sondern auch mit sich selber, finde ich sehr interessant.

Was war dein schönstes Erlebnis als Trainer?
Da habe ich wirklich Glück gehabt, dass es sehr viele gegeben hat. Das wird vielleicht manche Leute überraschen, aber zu den schönsten Erlebnissen zählen oft die, bei denen Sportler, die von der Leistung vielleicht nicht ganz oben mithalten konnten, alles gegeben haben und ich gemerkt habe, dass sie ihr Potenzial voll ausgeschöpft haben.

Worauf legst du in deinem Training besonders viel Wert? Was erwartest du von den Athleten?
Ehrlichkeit. Das wir aufrichtig miteinander sind und gemeinsam Ziele suchen und diese verfolgen.

Gibt es für dich den perfekten Athleten?
Nein, gibt es nicht. Aber ich habe schon die Ehre gehabt mit einigen Sportlern/Sportlerinnen zusammenzuarbeiten, die menschlich und sportlich sehr starke Vorbilder waren. Sie haben genau gewusst, was sie wollten und sind auf ihrem Weg geblieben. Natürlich gibt es immer wieder Umwege und Hindernisse.

Und den perfekten Trainer?
Der ideale Trainer muss den Sportler kennenlernen bzw. kennen und herausfinden, was der Sportler wirklich will und braucht. Es müssen gemeinsame Ziele gesetzt und angestrebt werden. Kommunikation ist für mich sehr wichtig. Da muss ich auch noch viel dran arbeiten, da ich nicht wirklich ein guter Kommunikator bin. Das ist nicht immer einfach, aber ich denke, das ist der erste Schritt ein guter Trainer zu sein, dass man eine Beziehung zu dem Sportler bzw. der Sportlerin aufbaut.

Wie würdest du deine eigene Trainerpersönlichkeit in drei Worten beschreiben?
Ehrlich, flexibel und offen. Das strebe ich zumindest an.

Hobbies
Eishockeyspielen probieren (als Kanadier weiß ich, was Eishockey ist), Krafttraining, Wandern, gutes Essen, lesen.

Lieblingsbuch
“Das Gleichgewicht der Welt” / “A Fine Balance” von Rohinton Mistry
“Conscious Coaching: The Art and Science of Building Buy-In” von Brett Bartholomew
“It’s Not All About Me: The Top Ten Techniques for Building Quick Rapport with Anyone” von Robin Dreeke

Lieblingsessen
Steak (and eggs).

Mit welchem Sportler würdest du gerne einmal trainieren?
Von Usain Bolt könnte ich viel lernen.

Was ist Luxus für dich?
Wenn ich mehr habe als ich brauche und wenn ich genug habe zum Teilen.

Hättest du lieber einen Monat lang kein Handy oder kein Auto?
Ich würde es wirklich toll finden, wenn ich irgendwo bin, wo ich auf beides verzichten kann.

Wenn du jetzt auf play bei deinem Handy drücken würdest, welches Lied würde kommen?
Bewusst habe ich zuletzt einen Song von der deutschen Rapperin Sookee gehört, bei dem mich der Text sehr interessiert hat. (Anm. d. Red.: Wahrscheinlich war es „Queere Tiere“ ;))

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Autorin des heutigen Blogposts → Mein Name ist Lara, ich bin 26 Jahre jung und wurde als Küstenmädchen in Kiel geboren. 2010 hat sich mein Lebensmittelpunkt um 1000 km weiter südlich ins schöne Innsbruck verschoben. Nachdem ich bereits den Bachelor in Gesundheits-und Leistungssport hier abgeschlossen habe, begann ich nach einer kurzen Orientierungsphase den Master Sportwissenschaft. Im Zuge dessen darf ich nun mein Praktikum im Olympiazentrum absolvieren und nebenbei meine Masterarbeit im Bereich Nachwuchsvolleyball schreiben. Selber habe ich 18 Jahre lang voltigiert und in meiner Jugend Hallen- und Beachvolleyball gespielt. Inzwischen nutze ich die Vielseitigkeit Innsbrucks und mache alles, wozu ich Lust habe 🙂 Wenn ich selber mal keinen Sport mache oder darüber schreibe, stehe ich als Volleyball-, Athletik- oder Sportaufnahmetrainerin in der Halle oder widme mich meinem anderen Hobby, der Musik.

Blog by Lara Ziffer