„A WM dahoam is oanfach imma cool.“

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Die Spannung steigt, das Event „UCI Road World Championships“ rückt immer näher. Die Weltmeisterschaft beginnt am 22. September und endet am 30. September. An acht Wettkampftagen finden die unterschiedlichen Disziplinen statt (Straßenrennen, Einzelzeitfahren, Teamzeitfahren). Verschiedene Kurse, beginnend von unterschiedlichen Startorten im Inntal, führen ins Ziel nach Innsbruck. Besonders abwechslungsreiche Strecken mit spektakulären und herausfordernden Anstiegen stehen den Athletinnen und Athleten bevor und machen dieses Event auch für die Zuschauer zu einem unvergesslichen Erlebnis. 
Das Highlight dieser Weltmeisterschaft, das Straßenrennen der Elite Männer, rundet das Großereignis ab. Dort stehen die weltbesten Radprofis an der Startlinie und erwecken Innsbruck/Tirol zum Leben. Neben einem vielfältigen Abendprogramm mit einer Vielzahl an Konzerten, findet ein öffentliches Radrennen für alle Rennradliebhaber und auch eine Messe mit diversen Ausstellern (EXPO) am Landhausplatz statt.
Infos wie Straßensperren, Rennstrecken, öffentlicher Verkehr, Zeitplan, Abendprogramm und alles Weitere findest du unter www.innsbruck-tirol2018.com.
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Unsere Athleten und die Weltmeisterschaft
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Wir befragten Athleten zur Weltmeisterschaft, und zwar nicht irgendwelche, sondern die drei teilnehmenden Radfahrer Mario, Florian und Patrick Gamper. Wir wollten einerseits von ihnen erfahren, wie es sich für sie anfühlt, für Österreich an den Start zu gehen, und anderseits, inwiefern sich die drei Brüder unterscheiden und trotzdem alle drei so erfolgreich sind. Genauso sind auch noch weitere Athletinnen und Athleten vom Olympiazentrum Innsbruck/Tirol für diese Weltmeisterschaft nominiert. 
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Patrick, 21 Jahre, Profiradfahrer, größter Erfolg: gelbes Trikot des Führenden bei der Tour de l’Avenir (Tour de France für U23, 2017)
Florian, 19 Jahre, Profiradfahrer, größter Erfolg: 7. Platz Olympische Jugendspiele (EOF) in Georgien, Tiflis  (Straßenrennen U17, 2015) 
Mario, 19 Jahre, Profiradfahrer und Schüler, größter Erfolg: 12. Platz in Bergen (Junioren WM, 2017)
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Welcher Moment im Sport ist dir besonders in Erinnerung geblieben?
Patrick – Neben dem gelben Trikot, das natürlich eine tolle Erfahrung war, weil es nach einer langen Saison und viel harter Arbeit eine Art Belohnung war, gibt es ziemlich viele schöne Momente. Im letzten Herbst hätte ich fast einen großen Klassiker in Italien gewonnen. Als totaler Außenseiter wurde ich erst 300m vor dem Ziel eingeholt. Da war es sehr schön einmal zu sehen, wie viele Leute mitfiebern und sich für einen freuen.
Mario – Ich kann mich zwar selbst nicht daran erinnern, aber vor ca. 2,5 Jahren hatte ich einen zum Glück noch folgenlosen Rennunfall. Ich kam mit Kreuzbandriss und Wirbelbrüchen etc. davon. Mit der Hilfe des Olympiazentrums habe ich aber sehr schnell wieder als Rennsportler trainieren können.
Florian – Da gibt es mehrere, aber der Sturz von meinem Bruder Mario sitzt natürlich tief in Erinnerung. Es war wirklich beeindruckend, wie schnell er sich wieder zurück gekämpft hat.
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Wolltest du schon immer Radprofi werden?
Patrick – Ich habe früher viele Sportarten ausprobiert, bin dann aber beim Radsport geblieben. Eigentlich war es schon von Beginn an das große Ziel, oder besser gesagt der große Traum, einmal Radprofi zu werden.
Mario – Früher habe ich wie so viele Kinder einige Sportarten ausprobiert. Aber je älter ich geworden bin, desto stärker hat sich die Zuneigung zum Radsport abgebildet. Seitdem ich mit meinem Rennrad die ersten Meter gefahren bin, lebt der Traum, Radprofi zu werden.
Florian – Ja, diesen Traum hatte ich seit meinem ersten Radrennen in der U13.
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Was wärst du heute, wenn nicht Radfahrer?
Patrick – Gute Frage, aber ziemlich sicher würde ich einen anderen Sport machen. Sport war in unserer Familie und auch für mich immer schon sehr wichtig. Wenn ich den Sport nicht so professionell machen würde, wäre ich sicher schon Student. Im Moment habe ich das Studieren aber noch aufgeschoben.
Mario – Auch Schüler, nur in einer anderen Schule als im Sport-BORG.
Florian – Einen Plan B hat es eigentlich nie wirklich gegeben. Schulabschluss und ein Beruf mit einem sportlichen Tätigkeitsfeld wäre es wohl geworden. Lehrer war mal eine Option.
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Wir haben recherchiert und herausgefunden, dass bereits euer Großvater ein begeisterter Radfahrer war. Inwiefern hat dies deinen Werdegang beeinflusst?
Patrick – Mein Großvater hat mich als ich noch ganz klein war schon auf die ersten Radtouren mitgenommen und auch mein Vater hat mich immer ermutigt, mit ihm mitzufahren. An diese ersten Kilometer habe ich nur schöne Erinnerungen. Die beiden haben uns zum Rennradfahren gebracht und mit der Begeisterung für den Sport angesteckt.
Mario – Er hat seine Leidenschaft für den Radsport auch an meinen Vater weitergegeben. Und so wie er den Radsport nun lebt und liebt haben auch wir drei den Sprung zu den Radsportverrückten geschafft.  
Florian – Mein Opa hatte eher weniger Einfluss darauf, damals war ich noch zu jung. Mein Vater, ebenfalls ein leidenschaftlicher Radfahrer, hat meinen Werdegang eher beeinflusst. Besonders Patrick war schon immer ein großes Vorbild für mich und hat mich inspiriert.
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Bei welchem Bewerb der WM gehst du in Innsbruck an den Start?
Patrick – Ich starte beim Einzelzeitfahren der U23. 
Mario – Ich werde beim Teamzeitfahren und Straßenrennen der U23 am Start stehen.
Florian – Gemeinsam mit meinem Bruder Mario werde ich beim Teamzeitfahren teilnehmen.
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Wie sind deine Erwartungen an die WM?
Patrick – Ich will mich nicht zu sehr auf eine Platzierung festlegen. Natürlich wären die Top 10 schön, aber solange ich meine beste Leistung zeigen kann, bin ich zufrieden. Darauf konzentriere ich mich.
Mario – Ich habe noch keine Gedanken darüber verloren und werde es wie ein normales Rennen sehen. Freue mich aber auch bei den anderen Kategorien als Zaungast dabei zu sein.
Florian – Es wird sicherlich ein super Event, mit richtig vielen Zuschauern. „A WM dahoam is oanfach imma cool.“
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Wie fühlt es sich an, bei einer Heim-WM an den Start zu gehen?
Patrick – Etwas eigenartig, um ehrlich zu sein. Bisher war die WM immer weit weg, manchmal in Ländern, in die man sonst nie kommen würde. Ich war schon in den USA, Katar und Norwegen für eine WM und jetzt starte ich vor der Haustüre. Das wird sicher eine unvergessliche Erfahrung werden.
Mario – Kann ich jetzt noch nicht sagen. Ist ja erst meine Erste. Ist aber schon jetzt ein sehr besonderes Gefühl und ich freue mich bereits auf dieses Event.
Florian – Ich wäre natürlich sehr gerne auch beim Straßenrennen dabei gewesen. Aufgrund meiner körperlichen Voraussetzungen bin ich nicht gerade ein Bergfahrer, daher bin ich froh, beim Teamzeitfahren an den Start gehen zu dürfen. 
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Wie sieht für dich die Vorbereitung am Abend vor dem Wettkampf aus?
Patrick – Am Abend davor ist es für mich wichtig, keinen Stress mehr zu haben. Am besten noch ein gutes Abendessen und den Abend gemütlich verbringen, um sich ein wenig abzulenken und nicht die ganze Zeit an das Rennen zu denken. Die Vorbereitung sollte ohnehin schon abgeschlossen sein.
Mario – Da gibt es nichts Besonderes.  Gut essen und gut Schlafen ist die Devise. Versuche auf so ca. 8-9 Stunden Schlaf zu kommen und passe daran meine Essens- und Bettzeiten an.  
Florian – Ein gutes Abendessen darf nicht fehlen, aber bitte keine Nudeln mehr, davon habe ich mittlerweile genug abbekommen. Die Besprechung mit dem Teamchef gehört dazu, anschließend Ruhe und auf alle Fälle zeitig ins Bett. 
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Wie ist es gekommen, dass alle drei Geschwister so erfolgreich im Radsport sind?
Patrick – Schwer zu sagen, aber ich denke es liegt daran, dass wir alle von Anfang an in einem sehr guten Umfeld waren und immer die große Unterstützung unserer Eltern hatten.
Mario – Ich glaube genau das, dass wir alle drei in einem Sport aktiv sind, macht uns zu dem, was wir jetzt sind. Wir sind uns immer behilflich und bringen uns gegenseitig an unsere Grenzen. 
Florian – Wir hatten einen Glücksgriff mit unserer ersten Trainerin, Carolin Hildebrandt. Wir haben uns zudem gegenseitig immer gepusht, das hat uns zum Erfolg geführt.
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Wie unterscheidest du dich von deinen Brüdern? 
Patrick – Ich bin größer 😉 
Mario – Das ist sehr schwer zu beurteilen. Jeder Mensch hat so seine eigenen Charaktereigenschaften.
Florian – Ich bin eher der etwas lockerere Typ.
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Lukas Höllrigl wird uns im nächsten Blog-Beitrag in einem Rückblick über die Ergebnisse berichten – seid gespannt. Wir freuen uns auf ein tolles Event und drücken allen Athleten und Athletinnen die Daumen.

 

AutorInnen des heutigen Blogposts → Lisa Totschnig, Praktikantin, 22 Jahre aus Tirol, studiert in Wien im Bachelor Ernährungswissenschaften & Sportwissenschaft. Sarah Schallau, Praktikantin, 26 Jahre aus Hessen, studiert in München im Master “Diagnostics and Training“. Frederik Krassnitzer, Praktikant, 25 Jahre aus Vorarlberg, studiert in Wien im Bachelor Sportwissenschaft.

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© Bilder: Haumesser / Olympiazentrum Tirol